Diese Dharma-Abhandlung wurde mit bestem Wissen und Gewissen übersetzt, sie wurde jedoch nicht durch das Büro von S. H. Dorje Chang Buddha III überprüft oder bestätigt und enthält mit Sicherheit Übersetzungsfehler.

WAS IST KULTIVIERUNG?

Dharma der Kultivierung übertragen von S. H. Dorje Chang Buddha III

Eine münd­li­che Dharma-Abhandlung, gege­ben durch Seine Hei­lig­keit Dorje Chang Bud­dha III Wan Ko Yeshe Norbu Heiligster Tathagata an Rin­po­ches und andere Schüler:

Heute habt ihr, der ihr ein Rin­po­che seid, hoch­ach­tungs­voll eine Dharma-Lehrrede bezüg­lich der Frage „Was ist Kul­ti­vie­rung?“ erbe­ten. Dies ist eine sehr ele­men­tare Lek­tion, ja sogar die erste Lek­tion. Trotz­dem ist dies eine wich­tige Ange­le­gen­heit, die viele Prak­ti­zie­rende, ein­schließ­lich derer, die seit vie­len Jah­ren Kul­ti­vie­rung prak­ti­zie­ren, nicht ver­ste­hen und ver­wirrt dar­über sind. Es ist schwie­rig als ein mensch­li­ches Wesen inkar­niert zu wer­den. Es ist noch schwie­ri­ger als ein mensch­li­ches Wesen inkar­niert zu wer­den mit der Gele­gen­heit dem wah­ren Buddha-Dharma zu begeg­nen. Des­we­gen will ich heute jeden über den Dharma bezüg­lich der Frage „Was ist Kul­ti­vie­rung?“ erleuchten.

Das Wesent­li­che beim Ler­nen des Bud­dhis­mus liegt in der Aus­füh­rung des­sen, was wir in unse­rer Kul­ti­vie­rung ler­nen. Wir nut­zen gute und schlechte Ursa­chen und Bedin­gun­gen als Objekte der Wahr­neh­mung. Des­we­gen müs­sen wir zuerst ver­ste­hen, was Kul­ti­vie­rung ist. Kul­ti­vie­rung ist das Kul­ti­vie­ren der Zunahme von gutem Karma und das Kul­ti­vie­ren der Ver­mei­dung von schlech­tem Karma. Es ist die Ver­meh­rung von guten kar­mi­schen Bedin­gun­gen, das Legen guter Ursa­chen und das Erlan­gen guter Aus­wir­kun­gen. Es ist die Ver­mei­dung des Ver­meh­rens von schlech­ten kar­mi­schen Bedin­gun­gen, das Nicht­le­gen von schlech­ten Ursa­chen und die Ver­mei­dung des Erlan­gens schlech­ter Aus­wir­kun­gen. Aller­dings hat der Begriff Kul­ti­vie­rung eine recht umfas­sende Bedeu­tung. Wir müs­sen zuerst ver­ste­hen, was Kul­ti­vie­rung ist.

Da muss es jenes geben, auf das sich der Kul­ti­vie­rende stüt­zen kann. Ohne jenes, auf das man sich stüt­zen kann, kann die Kul­ti­vie­rung leicht abwe­gig wer­den, nicht­bud­dhis­ti­sche Kul­ti­vie­rung. Bei­spiels­weise bringt die Kul­ti­vie­rung von Dämo­nis­mus das Aus­bil­den von dämo­ni­schen Ver­hal­tens­wei­sen mit sich. Die Kul­ti­vie­rung von Bud­dhis­mus bringt das Aus­bil­den der Ver­hal­tens­wei­sen von Bud­dhas mit sich. Des­we­gen muss es jenes geben, auf das sich der Kul­ti­vie­rende stüt­zen kann. Es müs­sen Vor­bil­der da sein, auf die man sich besin­nen und stüt­zen kann.

Alle ande­ren Reli­gio­nen tre­ten dafür ein, Böses zu ver­mei­den, Gutes zu för­dern, Selbst­sucht zu beschrän­ken und ande­ren zu nüt­zen. Der Kul­ti­vie­rende kann sich dar­auf allein nicht stüt­zen, denn dies ist Kul­ti­vie­rung ohne die Absicht des Bud­dhis­mus zu ver­ste­hen. Dies allein ist nicht die Aus­übung von wah­rem Bud­dhis­mus. Des­we­gen ist das, wor­auf wir uns in unse­rer Kul­ti­vie­rung stüt­zen der Bud­dha. Die voll­kom­mene Erleuch­tung des Bud­dhas ist unser Vor­bild für unsere Kul­ti­vie­rung. Wir ver­wen­den unsere drei Kar­mas der kör­per­li­chen Hand­lun­gen, der Rede und der Gedan­ken, um alles vom Bud­dha nach­zu­ah­men. Wir hal­ten uns selbst dabei fern vom gesam­ten unrei­nen Karma, das auf Täu­schung und bösem Ver­hal­ten basiert. Wir hal­ten uns dabei stän­dig fern von dem was böse oder schlecht ist. Indem wir nicht mit dem befasst sind was böse oder schlecht ist, ver­meh­ren unsere drei Kar­mas schlechte Ursa­chen nicht. Viel­mehr müs­sen wir sämt­li­ches gutes Karma ver­rich­ten. Selbst ein güti­ger Gedanke ist etwas, das wir ver­meh­ren und nie­mals ver­min­dern soll­ten. Wir soll­ten unsere gute kar­mi­sche Nei­gung, gute Ursa­chen und gutes Karma jeden Tag ver­meh­ren. Ein­fach gesagt müs­sen wir immer das ver­mei­den was böse oder schlecht ist und das ansam­meln was gut ist.

Warum kann gesagt wer­den, dass wir uns von bösem oder schlech­tem Karma fern hal­ten müs­sen, jedoch kann nicht gesagt wer­den, dass wir böses oder schlech­tes Karma besei­ti­gen müs­sen? Inner­halb der Wahr­heit des Bud­dhis­mus gibt es die Lehre, dass das Gesetz von Ursa­che und Wir­kung nie­mals ver­neint wer­den kann. Ursa­che und Wir­kung kön­nen nicht besei­tigt wer­den. Zu sagen man kann, bedeu­tet einen nihi­lis­ti­schen Stand­punkt ein­zu­neh­men. Daher kön­nen wir nur eine Mauer aus gutem Karma bauen, das wie das Bauen einer Stau­mauer ist. Als Folge blockt diese Mauer aus gutem Karma uns gegen unser böses Karma ab. Des­we­gen kön­nen wir nur durch das Ler­nen vom Bud­dha, durch die Aus­bil­dung des Ver­hal­tens des Bud­dhas und letzt­lich durch das Wer­den eines Bud­dhas uns selbst völ­lig vom Karma (Ursa­che und Wir­kung) befreien, dass uns an den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt bin­det. Ursa­che und Wir­kung exis­tie­ren noch, wenn man ein Bud­dha wird. Jedoch kön­nen Ursa­che und Wir­kung einen Bud­dha nicht beein­träch­ti­gen. So sah der Bud­dha Berge aus Schwer­tern und Meere aus Feuer im Höl­len­be­reich. Die Berge aus Schwer­tern und die Meere aus Feuer blie­ben wei­ter beste­hen, als äußerst schmerz­hafte Mit­tel, durch die die Lebe­we­sen kar­mi­sche Ver­gel­tung durch­le­ben. Als der Bud­dha plötz­lich in die Berge aus Schwer­tern und Meere aus Feuer sprang, um das Lei­den im Namen ande­rer Lebe­we­sen zu durch­le­ben, ver­wan­del­ten sich die Berge und Meere augen­blick­lich in einen Loto­steich aus Nek­tar. Sie ver­wan­del­ten sich in einen wun­der­vol­len Zustand. Im Hin­blick auf einen Bud­dha wen­den sich alle schlech­ten oder bösen kar­mi­schen Zustände in die Mani­fes­tie­rung von gutem Karma. Nicht nur ist da kein Leid, statt­des­sen ist da eine Mani­fes­tie­rung von gro­ßer Freude.

Kul­ti­vie­rung ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen, sich selbst von allen Lei­den zu befreien, ein hei­li­ges Wesen zu wer­den und durch­zu­hal­ten, bis man selbst ein Bud­dha wird. Um den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen, müs­sen wir einen Geist der Ent­sa­gung aus­bil­den (einen Geist, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen), einen Geist mit fes­tem Glau­ben, einen Geist mit unnach­gie­bi­gen Gelüb­den, einen Geist der Gewis­sen­haf­tig­keit und Mahayana-Bodhicitta. Alle wirk­li­chen Zustände, die die­sem Geist ent­sprin­gen, beru­hen und grün­den auf rech­ter Ansicht. Ohne rechte Ansicht wer­den alle Geis­tes­zu­stände ver­kehrt und ver­wirrt sein. Anders gesagt, man wird kei­ner­lei nutz­brin­gende Aus­wir­kun­gen durch Kul­ti­vie­rung erfah­ren, der es an rech­ter Ansicht mangelt.

Wenn man bei­spiels­weise Bodhi­citta zuerst prak­ti­zie­ren wollte, wird man kei­nen Erfolg haben. Es wird in lee­rem und illu­so­ri­schem Bodhi­citta resul­tie­ren, einem ver­blen­de­ten und fal­schen Geis­tes­zu­stand. Das ist so, weil Bodhi­citta auf einem Geist der Ent­sa­gung basie­ren muss. Das heißt, man muss einen Geist haben, der wirk­lich ent­schlos­sen ist Befrei­ung zu erlan­gen, Errun­gen­schaf­ten im Dharma zu errei­chen und die gesam­ten Lei­den der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. Man muss zutiefst ver­ste­hen, dass der Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt unbe­schreib­lich leid­voll ist. Nicht nur lei­det man selbst, son­dern alle Lebe­we­sen in den sechs Daseins­be­rei­chen der Wie­der­ge­burt, die wir alle als unse­ren Vater oder unsere Mut­ter betrach­ten, lei­den eben­falls im schmerz­li­chen Zustand der Ver­gäng­lich­keit. Nur wenn man sich selbst aus dem Lei­den her­aus­ret­ten will, kul­ti­viert man sich wirk­lich. Nur dann befasst man sich mit dem Ver­hal­ten eines Bodhi­satt­vas, das einem selbst und ande­ren zugu­te­kommt. Nur dann kann Bodhi­citta entstehen.

Den­noch wäre es ein Feh­ler, wenn man mit der Kul­ti­vie­rung eines Geis­tes der Ent­sa­gung anfängt. Das würde nicht mit der rich­ti­gen Rei­hen­folge der Kul­ti­vie­rung überein­stim­men. Das würde in einer nicht rea­len, theo­re­ti­schen Art von Ver­lan­gen, den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen und in einem selbst­ge­täusch­ten und selbst­ver­wirr­ten Geis­tes­zu­stand resul­tie­ren. In solch einem Fall wäre man nicht in der Lage den wah­ren Geis­tes­zu­stand her­aus­zu­bil­den, der ent­schlos­sen ist, den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu verlassen.

Des­halb muss man zuerst Ver­gäng­lich­keit ver­ste­hen, will man den wah­ren Geis­tes­zu­stand haben, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. Der zweite Schritt ist einen Geist mit fes­tem Glau­ben zu haben. Man muss fest an die Lei­den der Wie­der­ge­burt glau­ben, die ihren Ursprung in der Ver­gäng­lich­keit haben. Nur mit solch einem Geist mit fes­tem Glau­ben wird man die Lei­den fürch­ten, die durch Ver­gäng­lich­keit ver­ur­sacht sind und erfolg­reich einen Geis­tes­zu­stand erlan­gen, der die Ver­gäng­lich­keit wirk­lich fürch­tet. Wurde ein Geis­tes­zu­stand erlangt, der Ver­gäng­lich­keit wirk­lich fürch­tet, wird der Geis­tes­zu­stand, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen, Tag für Tag stär­ker wer­den. Der Geis­tes­zu­stand, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen, wird auf natür­li­che Weise in einen ech­ten Zustand ein­tre­ten, der Ver­gäng­lich­keit wirk­lich fürch­tet. Wenn Lebe­we­sen nicht ver­ste­hen, dass alle beding­ten Dhar­mas im Uni­ver­sum ver­gäng­lich sind, wenn sie nicht die Lei­den ver­ste­hen, die mit Wie­der­ge­burt und Ver­gäng­lich­keit ver­bun­den sind, dann kön­nen sie kei­nen fes­ten Geist her­aus­bil­den, der Gedan­ken auf­kom­men lässt, den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. Wenn man nie­mals daran gedacht hat, den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen, wird man über­haupt nicht kul­ti­vie­ren und den Bud­dhis­mus nicht ler­nen wol­len. Jene, die den Bud­dhis­mus nicht ler­nen, haben kein Ver­lan­gen den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. Wie sollte jemand, der den Bud­dhis­mus nicht lernt, einen Geist haben, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen? Des­we­gen kann man nicht als ers­tes einen Geist kul­ti­vie­ren, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. Was den ers­ten Schritt betrifft, wird man den Bud­dhis­mus nicht betre­ten, ohne einen Geist der Ver­gäng­lich­keit zu haben. (Ech­tes Her­vor­ru­fen von Gefüh­len, die Ver­gäng­lich­keit fürch­ten und ech­tes Her­vor­ru­fen eines Zustands, der Ver­gäng­lich­keit fürch­tet.) Selbst wenn man Bud­dhist wird, wird man nicht in der Lage sein, eine tief­grün­dige, kor­rekte Kul­ti­vie­rung zu erreichen.

Um zu ver­ste­hen, was Kul­ti­vie­rung ist, muss man die acht grund­le­gen­den rech­ten Ansich­ten in Hin­blick auf das Ler­nen des Bud­dhis­mus und der Kul­ti­vie­rung verstehen.

Die erste ist ein Geist der Ver­gäng­lich­keit. Die zweite ist ein Geist mit fes­tem Glau­ben. Die dritte ist ein Geist der Ent­sa­gung (ein Geist, der ent­schlos­sen ist, den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen). Die vierte ist ein Geist mit unnach­gie­bi­gen Gelüb­den. Die fünfte ist ein Geist der Gewis­sen­haf­tig­keit. Die sechste sind die Tugend­re­geln. Die siebte ist Dhyana und Sama­dhi. Die achte ist Bodhi­citta. Diese acht Dhar­mas erken­nen und mit den rech­ten Ansich­ten ver­wirk­li­chen ist die rich­tige Aus­übung des Buddha-Dharmas. Diese acht grund­le­gen­den rech­ten Ansich­ten, die unent­behr­lich für Kul­ti­vie­rende sind, dür­fen nicht aus die­ser Rei­hen­folge genom­men wer­den. Alle Früchte, die aus einem Geist der Ver­gäng­lich­keit ent­ste­hen, sind Ursa­chen für Kul­ti­vie­rung. Alle Früchte, die aus einem Geist mit fes­tem Glau­ben ent­ste­hen, sind Ursa­chen für Fes­tig­keit, die sich nicht ver­än­dert. Alle Früchte, die aus einem Geist der Ent­sa­gung ent­ste­hen, sind Ursa­chen für Befrei­ung. Alle Früchte, die aus einem Geist mit unnach­gie­bi­gen Gelüb­den ent­ste­hen, sind Ursa­chen für Hand­lun­gen. Alle Früchte, die aus einem Geist der Gewis­sen­haf­tig­keit ent­ste­hen, sind Ursa­chen für anhal­ten­den Fort­schritt. Alle Früchte, die sich aus den Tugend­re­geln erge­ben, sind Ursa­chen für die kor­rekte Rich­tung der Kul­ti­vie­rung. Alle Früchte, die aus Dhyana und Sama­dhi ent­ste­hen, sind Ursa­chen für Weis­heit. Alle Früchte, die aus Bodhi­citta ent­ste­hen, sind Ursa­chen, die dazu füh­ren, ein Bodhi­sattva zu werden.

Diese acht grund­le­gen­den rech­ten Ansich­ten sind die Grund­lage der Kul­ti­vie­rung, Befrei­ung und Errun­gen­schaf­ten im Dharma. Wenn die Wur­zel nicht recht ist, kann Kul­ti­vie­rung nicht eta­bliert wer­den. Des­we­gen kann Kul­ti­vie­rung nicht unge­ord­net sein. Daher muss die Aus­übung der acht Grund­sätze der Kul­ti­vie­rung durch rechte Ansich­ten geführt wer­den. Das heißt, geführt durch rech­tes Ver­ständ­nis und rech­ter Ansicht ent­wi­ckelt man seine Kul­ti­vie­rung in rich­ti­ger Weise, indem man durch diese acht Grund­sätze in ihrer kor­rek­ten Rei­hen­folge geht. Das ist Kul­ti­vie­rung. In sei­ner Kul­ti­vie­rung muss man stän­dig Bodhi­citta prak­ti­zie­ren. Das ist so, weil Bodhi­citta die Grund­lage dafür ist, ein Bodhi­sattva zu werden.

Ent­spre­chend der Dharma-Auslegung des Bud­dhas, ist die wahre Bedeu­tung von Bodhi­citta die, dass es die Ursa­che ist, die unwei­ger­lich dazu füh­ren wird, ein Bodhi­sattva zu wer­den. Wer auch immer den Bodhi-Weg geht, wird letzt­end­lich die Bodhi-Frucht erlan­gen. Die umfas­sende Bedeu­tung von Bodhi­citta umfasst alle der Mahayana-Dharmas, die mit dem Ret­ten der Lebe­we­sen aus gro­ßem Mit­ge­fühl her­aus zu tun haben und den Ursa­chen, die dazu füh­ren, die Stu­fen der Erleuch­tung eines Bodhi­satt­vas zu erlangen.

Jedoch ging auf­grund der unzu­rei­chen­den glück­li­chen Fügung der Lebe­we­sen eini­ges der ursprüng­li­chen Bedeu­tung ver­lo­ren, als es von Gene­ra­tion zu Gene­ra­tion wei­ter­ge­reicht wurde. Ins­be­son­dere in die­sem Zeit­al­ter des Dharma-Niedergangs, in dem das Karma der Lebe­we­sen in den drei Sphä­ren (Wel­ten) des Uni­ver­sums wie ein Meer aus wogen­den Wel­len ist, ist es für ein Lebe­we­sen genau so schwer, dem wah­ren Buddha-Dharma zu begeg­nen, wie für eine im Ozean schwim­mende blinde Schild­kröte ihren Hals durch ein win­zi­ges Ast­loch in einem trei­ben­den und düm­peln­den Brett zu ste­cken. Folg­lich ist es jetzt äußerst schwie­rig, den voll­kom­me­nen Buddha-Dharma zu erhal­ten. Als Folge davon ist die Bedeu­tung von Bodhi geschrumpft. Sie ist all­mäh­lich von ihrer umfas­sen­den Bedeu­tung zu ihrer begrenz­ten Bedeu­tung von Bodhicitta-Dharma geschrumpft.

Es gibt zwei Arten von Bodhi­citta. Es gibt Bodhi­citta im hei­li­gen Sinn und Bodhi­citta im welt­li­chen Sinn. Bodhi­citta im welt­li­chen Sinn kann grob in „Gelübde-Bodhicitta“ und „Handlungs-Bodhicitta“ unter­teilt wer­den. Die Pra­xis von Gelübde– und Handlungs-Bodhicitta beinhal­tet eine Viel­zahl von Dharma-Methoden, wie sol­che in Zusam­men­hang mit Lebe­we­sen, nicht leben­den Wesen, den vier gro­ßen Ele­men­ten, den eige­nen sechs Ele­men­ten, ebenso mit dem Atmen, der Gehör­grund­lage, der Augen­grund­lage und ande­rer Grund­la­gen, inne­rer und äuße­rer Man­da­las und ritua­lis­ti­schem Rezi­tie­ren. Ob es Bodhi­citta im welt­li­chen Sinn oder im hei­li­gen Sinn ist, wenn man von den bei­den Sät­zen der sie­ben Zweige von Bodhi­citta gelei­tet wird, ist das die höchste, aus­ge­zeich­netste und voll­stän­digste Form von Bodhicitta.

Jedes Lebe­we­sen in den sechs Daseins­be­rei­chen der Wie­der­ge­burt inner­halb der drei Späh­ren der Exis­tenz hat das Recht Bodhi­citta zu kul­ti­vie­ren. Jedoch besit­zen die meis­ten Lebe­we­sen die kar­mi­sche Nei­gung nicht. Daher üben sie eine bruch­stück­hafte und geschrumpfte Ver­sion von Bodhi­citta aus. Als Folge davon hegen sie häu­fig fal­sche Auf­fas­sun­gen, dass nur jene mit einem erleuch­te­ten Geist Bodhi­citta aus­üben kön­nen oder dass Bodhi­citta der Dharmakaya-Zustand der Erleuch­tung ist. Gewiss strei­ten wir nicht ab, dass dies exis­tie­rende Teile von Bodhi­citta sind. Den­noch berück­sich­ti­gen diese Vor­stel­lun­gen nicht die Aus­übung von Bodhicitta-Dharma von jenen Lebe­we­sen, die kei­nen erleuch­te­ten Geist haben. Was noch wich­ti­ger ist, Bodhi­citta ist nicht abhän­gig von einem erleuch­te­ten Geist oder einem uner­leuch­te­ten Geist. Bodhi­citta ist die Kraft der Gelübde, die aus gro­ßem Mit­ge­fühl von jenen Lebe­we­sen gemacht wur­den, die den Bud­dhis­mus in einem der sechs Daseins­be­rei­che der Wie­der­ge­burt inner­halb der drei Sphä­ren der Exis­tenz ler­nen, ebenso wie die Kraft der Gelübde, die aus gro­ßem Mit­ge­fühl von all den hei­li­gen Wesen im Dharma-Bereich gemacht wur­den. Bodhi­citta ist unmit­tel­ba­res Ver­hal­ten, das auf gro­ßem Mit­ge­fühl beruht, das Lebe­we­sen hilft Bud­dhas oder Bodhi­satt­vas zu wer­den. Es ist der Geist der Liebe im hei­li­gen Sinne, den der Erleuch­tete und der Uner­leuch­tete oder der Hei­lige und der Gewöhn­li­che beide haben.

Im Hin­blick auf Bodhi­citta ver­wen­den jene, die erleuch­tet sind ihren erleuch­te­ten Zustand der Tugend und Ver­wirk­li­chung, kor­rekte Prak­ti­ken und die Ver­brei­tung des wah­ren Dhar­mas, um Lebe­we­sen zu leh­ren und zu erleuch­ten, so dass diese Lebe­we­sen Bud­dhas wer­den. Im Hin­blick auf Bodhi­citta gelo­ben jene, die noch nicht erleuch­tet sind aus gro­ßem Mit­ge­fühl her­aus, dass die Lebe­we­sen und sie selbst zusam­men Errun­gen­schaf­ten im Dharma und Befrei­ung erlan­gen wer­den. Sie hel­fen ande­ren Men­schen den Pfad des wah­ren Dhar­mas zu betre­ten, gelo­bend, dass sie Bodhi­satt­vas und Bud­dhas wer­den. Für diese Men­schen ist Bodhicitta-Dharma die Tugend­haf­tig­keit, ande­ren zu hel­fen Errun­gen­schaf­ten im Dharma zu erlan­gen. Weil sie andere för­dern, erlan­gen sie Ver­dienste. Dadurch ver­meh­ren Sie die Ursa­chen, die dazu füh­ren, dass sie Bodhi­satt­vas werden.

Die Mani­fes­tie­rung von Bodhi­citta wird aus­ge­drückt durch die unmit­tel­bare Aus­übung mit den drei Kar­mas, wobei die Aus­übung gro­ßes Mit­ge­fühl wie­der­spie­gelt. Jeder echte Kul­ti­vie­rende, ganz gleich ob er oder sie gewöhn­lich oder hei­lig ist, hat das Recht Bodhi­citta zu erwe­cken und sollte Bodhi­citta erwe­cken. Das ist so, weil Bodhi­citta nicht ein erleuch­te­ter Geist ist, den nur hei­lige Men­schen besit­zen. Es ist viel­mehr Ver­hal­ten, dass auf gro­ßem Mit­ge­fühl beruht. Es ist das Legen der Ursa­chen, basie­rend auf dem Gelübde, dass man selbst und andere erleuch­tet wer­den. Bodhi­citta beinhal­tet nicht nur die zehn guten Eigen­schaf­ten, die vier gren­zen­lo­sen Geis­tes­zu­stände (die vier Uner­mess­lich­kei­ten), die sechs Para­mi­tas (Voll­kom­men­hei­ten) und die vier all­um­fas­sen­den Bodhisattva-Tugenden (vier Metho­den, die Bodhi­satt­vas gebrau­chen, um sich Lebe­we­sen zu nähern und sie zu ret­ten). Eigent­lich beinhal­tet es den gesam­ten Tri­pitaka, die eso­te­ri­schen Schrif­ten und den gesam­ten Dharma, der münd­lich, über die Ohren oder tele­pa­thisch über­tra­gen wurde, der Ver­hal­tens­wei­sen erzeugt, die höchst mit­füh­lend, in Überein­stim­mung mit dem Dharma sind und Lebe­we­sen för­dern und retten.

Somit ist Bodhi­citta die höchste Wahr­heit im wei­ten Sinne. Im Hin­blick auf den Bud­dha, ist Bodhi­citta die drei Kör­per, die voll­kom­mene Weis­heit des Bud­dhas, die in den vier Wahr­hei­ten zusam­men­ge­fasst ist und der Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi. Im Hin­blick auf einen Bodhi­sattva ist Bodhi­citta die Ver­brei­tung des Dhar­mas und das För­dern und Ret­ten der Lebe­we­sen aus gro­ßem Mit­ge­fühl. Im Hin­blick auf ein erleuch­te­tes Wesen ist Bodhi­citta nicht an den Eigen­schaf­ten oder Unter­schei­dungs­merk­ma­len von Din­gen zu haf­ten und sich nicht an intel­lek­tu­el­ler Ober­fläch­lich­keit oder kon­zep­tu­el­len Aus­ar­bei­tun­gen zu betei­li­gen. Dies ist seine oder ihre ursprüng­li­che Natur. Die wahre Leer­heit der ursprüng­li­chen Natur ist wun­der­volle Exis­tenz. Es ist die letzt­end­li­che Wahr­heit aller beding­ten Dhar­mas. Weder ent­steht diese Wahr­heit, noch endet sie. Im Hin­blick auf einen gewöhn­li­chen Men­schen ist Bodhi­citta ande­ren Men­schen mit­füh­lend zu hel­fen und zu gelo­ben, dass sie den Bud­dhis­mus ler­nen und Befrei­ung erlan­gen werden.

Man muss zuerst den Stand­punkt der Ver­gäng­lich­keit haben, bevor man Bodhi­citta erwe­cken kann. Man muss die Ver­gäng­lich­keit und das Lei­den im Hin­blick auf einen selbst und auf andere Lebe­we­sen ver­ste­hen, die im Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt rotie­ren und dabei eine Sicht­weise der Bewusst­heit erzeu­gen, einen Geist der Ver­gäng­lich­keit. Man wird dann gelo­ben, den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. In Folge davon wird man einen Geist aus­bil­den, der ent­schlos­sen ist den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu ver­las­sen. Man wird sagen, „Ich beschliesse ihn zu ver­las­sen.“ Man will ebenso, dass alle Lebe­we­sen in den sechs Daseins­be­rei­chen, die wie unser Vater und unsere Mut­ter sind, ihn ver­las­sen. Man ver­steht, dass der Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt wie eine raue See ist, die schwie­rig aus­zu­hal­ten und äußerst leid­voll ist. Durch diese ent­schlos­sene Sicht­weise wird man eine starke und bedrän­gende Furcht erzeu­gen. Man wird dau­ernd danach stre­ben, genau in die­sem Moment befreit zu wer­den. Man ver­steht jedoch, das nur durch das Ver­hal­ten eines Bodhi­satt­vas, Befrei­ung in schnel­ler Weise aus dem Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt erlangt wer­den kann.

Des­halb gelobt man, ein Bodhi­sattva zu wer­den. Man strebt danach, sich selbst und andere schnell zu erleuch­ten. Natur­ge­mäß ent­wi­ckelt man dann einen Geist von gro­ßem Mit­ge­fühl. Die Erwe­ckung von Bodhi­citta grün­det sich auf einem Geist von gro­ßem Mit­ge­fühl. Daher sagte der Bud­dha, „Das Was­ser des gro­ßen Mit­ge­fühls bewäs­sert die Samen der Bodhi. Als Ergeb­nis wer­den die Bodhi-Bäume üppi­ges Blatt­werk haben und die Früchte wer­den reich­lich sein.“ Dem­zu­folge wird Bodhi­citta auf natür­li­che Weise ein­ge­führt. Bodhi­citta ist die Ursa­che, die zum Wer­den eines Mahayana-Bodhisattvas führt. Man wird reine und rechte Ansich­ten, sowie Ver­ständ­nis über Kul­ti­vie­rung erlan­gen. Basie­rend auf die­sen rech­ten Ansich­ten, sollte man zutiefst in die Bhuta-tathata (wahre So-heit) der Leer­heit und in die Aus­übung des Zustands der Leer­heit ein­tre­ten. Zu die­ser Zeit wan­delt man welt­li­ches Bodhi­citta in einen Zustand um, in dem man erkennt, dass „die drei Enti­tä­ten von Natur aus leer sind.“ Das heißt, man wan­delt alles Beste­hende in Bodhi­citta im hei­li­gen Sinne um. Mit Bodhi­citta kul­ti­viert man das Ver­hal­ten von Bodhi und betritt die Stufe eines Bodhisattvas.

Kul­ti­vie­rung von Bodhi­citta erfor­dert prak­ti­sche Anwen­dung. Kul­ti­vie­rung von Bodhi­citta ist keine Frage von blo­ßem ritua­lis­ti­schen Rezi­tie­ren, dem Able­gen von bedeu­tungs­lo­sen Gelüb­den oder der Beschäf­ti­gung mit Visua­li­sie­run­gen. Der wich­tigste Aspekt in der Kul­ti­vie­rung von Bodhi­citta ist das nach­hal­tige Beden­ken des Fol­gen­den hin­sicht­lich einem selbst: „Mein Kör­per ist ver­gäng­lich, ver­än­dert sich jede Nano­se­kunde und bewegt sich in Rich­tung Ver­fall, Alter und Tod. Ich ver­glei­che, warum mein Gesicht über eine Zehn-Jahres-Periode geal­tert ist, über eine Vierzig-Jahres-Periode oder über eine Siebzig-Jahres-Periode. Der Grad der Alte­rung mei­ner Haut hat sich ver­än­dert. Ich werde bald ein­tre­ten ins Grei­sen­al­ter, in Krank­heit und Tod und werde fort­fah­ren im Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt zu krei­sen, wo ich Lei­den durch­le­ben wer­den. Ich sinne eben­falls nach über das freu­dige, unschul­dige, neu­ge­bo­rene, fri­sche und leben­dige Aus­se­hen, das ich hatte, als ich ein klei­nes Kind war. Ich sinne dar­über nach, wie ich diese kind­hafte Erschei­nung nicht mehr habe. Mein Gesicht und meine Haut sind geal­tert. Meine Kraft hat abge­nom­men. Ich werde oft krank. Die Eigen­schaf­ten der Jugend sind fort. Die Macht der Ver­gäng­lich­keit wird mein Leben been­den. Meine Ver­wand­ten und Freunde wer­den alle, einer nach dem ande­ren ster­ben. Wie ein Traum, wird alles bald vor­bei sein. Mein Geist ent­wi­ckelt große Furcht. Mit einem ent­schlos­se­nen Geist handle ich gemäß den Tugend­re­geln, prak­ti­ziere in Überein­stim­mung mit dem Dharma und trete in Bodhi­citta ein, durch die Aus­übung der bei­den Sät­zen der sie­ben Teil­dis­zi­pli­nen von Bodhicitta-Dharma: den Dharma des Großen-Mitgefühls-für-Alle-Lebewesen-wie-Meine-Mutter-Bodhicitta und den Dharma der Bodhisattva-Übereinstimmung-Bodhicitta.“

Wäh­rend der Aus­übung des Großen-Mitgefühls-für-Meine-Mutter-Bodhicitta erweckt man gro­ßes Mit­ge­fühl und kul­ti­viert das Fol­gende: Ver­ste­hen wer meine Mut­ter ist, Güte im Sinn haben, Güte erwi­dern, lie­be­volle Güte, Mit­ge­fühl, Gier auf­ge­ben und Anhaf­tung besei­ti­gen. Wäh­rend der Aus­übung die­ser Kul­ti­vie­rung, sollte jeder für sich selbst das Fol­gende realisieren:

Ver­ste­hen wer meine Mut­ter ist: Ich ver­stehe zutiefst, dass alle Lebe­we­sen in den sechs Daseins­be­rei­chen der Wie­der­ge­burt inner­halb der drei Sphä­ren des Uni­ver­sums seit anfangs­lo­ser Zeit meine Väter und Müt­ter im rotie­ren­den Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt waren.

Güte im Sinn haben: Ich sollte zutiefst im Sinn behal­ten, dass alle meine Eltern (d. h. alle Lebe­we­sen), die jetzt im Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt exis­tie­ren, mich seit anfangs­lo­ser Zeit zur Welt brach­ten, groß­zo­gen, lieb­ten und müde und krank für mich wur­den. Ihre Güte mir gegen­über wiegt so schwer wie ein Berg. Ich sollte ihre Güte nicht ver­ges­sen. Ich werde dann die Lei­den mei­ner Eltern (d. h. aller Lebe­we­sen) als meine eige­nen betrachten.

Güte erwi­dern: Ich ver­stehe, dass meine Eltern (d. h. alle Lebe­we­sen) mir alles gebo­ten haben. Sie krei­sen und wan­dern nun in den sechs Daseins­be­rei­chen der Wie­der­ge­burt umher, end­lose Lei­den erfah­rend. Ich beschließe tätig zu wer­den, mich selbst und andere zu erleuch­ten, um meine Eltern (d. h. alle Lebe­we­sen) zu ret­ten und zu befreien, um ihre Güte mir gegen­über zu erwidern.

Lie­be­volle Güte: Ich bin jeder­zeit, durch die Hand­lun­gen mei­ner drei Kar­mas lie­be­voll und gütig gegen­über allen Lebe­we­sen, die meine Eltern waren. Ich wün­sche ihnen ein lan­ges Leben ohne Krank­heit, güns­tige Fügung, viel Glück und ein fröh­li­ches Leben.

Mit­ge­fühl: Tag und Nacht flehe ich fort­wäh­rend die Bud­dhas und Bodhi­satt­vas an, alle meine Eltern (d. h. alle Lebe­we­sen) zu bemäch­ti­gen, so dass sie sich aus allen For­men des Lei­dens her­aus­ret­ten mögen, dem Buddha-Dharma begeg­nen und aus­üben und sich selbst von den Lei­den der zykli­schen Exis­tenz befreien.

Gier auf­ge­ben: Ich besitze keine Anhaf­tung in mei­nem Geist an etwas, dass ich tue, um jed­wede Lebe­we­sen zu för­dern, die meine Eltern waren. Ich kul­ti­viere Nicht­an­haf­tung an alle meine guten Hand­lun­gen des Kör­pers, der Rede und des Geis­tes. So wer­den meine guten Hand­lun­gen natür­lich und spon­tan, da meine ursprüng­li­che Natur gut ist. Ich tue Gutes nicht ziel­ge­rich­tet. Ich tue Gutes und ver­gesse es dann.

Anhaf­tung besei­ti­gen: In mei­ner Aus­übung, wäh­rend ich sämt­li­che For­men der Gütig­keit kul­ti­viere und meine Eltern (d. h. alle Lebe­we­sen) för­dere, sollte ich kei­nem Dharma anhaf­ten. Ich sollte jede Anhaf­tung an ein Selbst besei­ti­gen. Einen Zustand von Leer­heit rea­li­sie­rend, bin ich gewahr und erfahre wun­der­volle Freude, die aus Sama­dhi kommt. Wäh­rend ich den Dharma prak­ti­ziere, hafte ich nicht am Dharma. Ich besei­tige die ver­blen­de­ten Gedan­ken nicht vor­sätz­lich. Ich suche die Wahr­heit nicht vor­sätz­lich. Nicht kom­mend und nicht gehend, glück­se­lig, klar und ohne Gedan­ken, bin ich still wie ruhi­ges Was­ser. Alles, ein­schließ­lich ich selbst, ist von Natur aus leer.

Die unter­stüt­zen­den Bedin­gun­gen für die Umset­zung von Bodhi­citta in die Pra­xis, müs­sen auf rech­ter Ansicht beru­hen. Wir wir­ken an der Aus­füh­rung von guten Taten der Lebe­we­sen mit, jedoch wir­ken wir nicht mit oder hel­fen ihnen nicht an der Aus­füh­rung von schlech­ten Taten. Wir stel­len ihr Ver­hal­ten rich­tig, so dass sie gute Taten aus­füh­ren. Dadurch tun wir sämt­li­che gute Taten, die den Lebe­we­sen zugute kom­men. Wir legen alle guten Ursa­chen, die dazu füh­ren, den Lebe­we­sen Nut­zen zu brin­gen. Auf diese Weise füh­ren wir die sie­ben Zweige des Dhar­mas von Bodhisattva-Übereinstimmung-Bodhicitta aus. Wir hel­fen Lebe­we­sen in ihrer Aus­füh­rung von guten Taten und ver­meh­ren ihre guten Ursa­chen. Wir hel­fen Lebe­we­sen ihre Ansamm­lung von schlech­tem Karma zu ver­rin­gern und hel­fen ihnen sich von schlech­ten Ursa­chen fern zu hal­ten. Die sie­ben Zweige des Dhar­mas von Bodhisattva-Übereinstimmung-Bodhicitta sind wie folgt. Der erste Zweig ist „Selbst und andere sind gleich“-Bodhicitta. Der zweite Zweig ist „Aus­tausch zwi­schen Selbst und anderen“-Bodhicitta. Der dritte Zweig ist „Andere vor einem selbst fördern“-Bodhicitta. Der vierte Zweig ist „Wid­mung von Verdienst“-Bodhicitta. Der fünfte Zweig ist „Furcht­los den Dharma schützen“-Bodhicitta. Der sechste Zweig ist „Andere erfolg­reich zu kor­rek­ter Pra­xis führen“-Bodhicitta. Der siebte Zweig ist „Mir selbst ent­sa­gen, um Ande­ren zu hel­fen gutes Karma aufzubauen“-Bodhicitta. Wäh­rend der Aus­übung die­ser Kul­ti­vie­rung, sollte jeder für sich selbst das Fol­gende realisieren:

„Selbst und andere sind gleich“-Bodhicitta: Wenn es einen Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen mir und ande­ren gibt, werde ich mich von Hass, Abnei­gung, Gier und einer arro­gan­ten, her­ab­set­zen­den Geis­tes­hal­tung befreien. Ich darf nicht die För­de­rung von mir selbst beto­nen. Ich sollte mich selbst und Andere gleich behandeln.

„Aus­tausch zwi­schen selbst und anderen“-Bodhicitta: Ich werde die Lei­den aller Lebe­we­sen ertra­gen. Ich gebe ande­ren meine gesamte Freude und mein Glück, so dass sie die Lei­den ver­las­sen und Freude erlan­gen können.

„Andere vor einem selbst fördern“-Bodhicitta: Wenn andere Lebe­we­sen und ich lei­den, will ich, dass die ande­ren sich vor mir aus den Lei­den befreien. Wenn andere Lebe­we­sen und ich glück­lich sind, will ich, dass die ande­ren glück­li­cher sind als ich.

„Wid­mung von Verdienst“-Bodhicitta: Ich widme allen Lebe­we­sen mei­nen gesam­ten Ver­dienst und meine Errun­gen­schaf­ten aus mei­ner Kul­ti­vie­rung, in der Hoff­nung, dass sie die Lei­den ver­las­sen und Befrei­ung erlan­gen werden.

„Furcht­los den Dharma schützen“-Bodhicitta: Wenn irgend­wel­che bösen Geis­ter oder Dämo­nen den Buddha-Dharma schä­di­gen, Lebe­we­sen dazu füh­ren, die Tugend­re­geln zu bre­chen und Lebe­we­sen etwas anha­ben wol­len, das im Lei­den der Lebe­we­sen resul­tiert, werde ich die rechte Ansicht aufrechterhalten, die bösen Kräfte die­ser Dämo­nen nicht fürch­ten und her­vor­tre­ten, um den Buddha-Dharma und die Weis­heit zu beschüt­zen, durch die Lebe­we­sen befreit werden.

„Andere erfolg­reich zu kor­rek­ter Pra­xis führen“-Bodhicitta: Weil Lebe­we­sen mit der Kraft des Kar­mas belas­tet sind, das sich seit anfangs­lo­ser Zeit ange­sam­melt hat, weil sie unwis­send sind und alle Arten von nega­ti­vem Karma geschaf­fen haben, wird es Zei­ten geben, in denen sie ihre Gewohn­hei­ten, trotz mei­ner kon­struk­ti­ven Ermah­nun­gen, nicht bereuen oder ändern wer­den. In so einen Fall werde ich kraft­volle, rich­tig­stel­lende Dharma-Methoden ver­wen­den, um sol­che Men­schen auf den Pfad des wah­ren Dhar­mas, sowie zu segens­rei­chem und gutem Ver­hal­ten führen.

„Mir selbst ent­sa­gen, um Ande­ren zu hel­fen gutes Karma aufzubauen“-Bodhicitta: Wenn die Ver­wirk­li­chung von ande­ren Men­schen höher ist als meine oder deren Befä­hi­gung, Lebe­we­sen zu ret­ten bes­ser ist als meine, werde ich an andere Men­schen abtre­ten, so dass Lebe­we­sen mehr geför­dert wer­den. Zu solch einer Zeit werde ich ohne Zögern an sie abtre­ten. Dies för­dert das große Unter­fan­gen der Gütigkeit.

Bodhi­citta als Teil der Kul­ti­vie­rung ist die Quelle der Errun­gen­schaf­ten im Dharma und ist sehr wich­tig. Ich werde nun ein Bei­spiel geben, das einen Rin­po­che und einen Dhar­ma­meis­ter ein­schließt. Die­ser Rin­po­che kul­ti­vierte sich selbst seit mehr als drei­ßig Jah­ren. Er erhielt mehr als ein­tau­send eso­te­ri­sche Dharma-Initiationen. Er prak­ti­zierte haupt­säch­lich den Dharma der Gro­ßen Voll­kom­men­heit (Dzog­chen) der Nyingma-Schule. Er konnte den Buddha-Dharma des Tri­pitaka sehr gut dar­le­gen. Den­noch hatte er keine wirk­li­chen Dharma-Kräfte. Die andere Per­son, ein Dhar­ma­meis­ter, war ein Mönch seit mehr als zwan­zig Jah­ren. Er befolgte strikt die Tugend­re­geln und die Ordens­re­geln. Er war bewan­dert in den Sutras, dem Vinaya (Tugend­re­geln und Ordens­re­geln) und den Kom­men­ta­ren. Er prak­ti­zierte wich­tige und große Dhar­mas der tibetisch-esoterischen Schule des Bud­dhis­mus und war der Abt eines bedeu­ten­den Tem­pels. Genau wie der Rin­po­che war er berühmt für die Dar­le­gung des Dhar­mas. Jedoch war auch er nicht imstande irgend­eine wirk­li­che Rea­li­sie­rung zu manifestieren.

Ich sagte ihnen, dass wel­chen gro­ßen Dharma der eso­te­ri­schen Schule sie auch immer prak­ti­zie­ren mögen, es wie das Bauen eines Tur­mes auf Treib­sand sei. So ein Turm kann nicht gebaut wer­den. Ich sagte ihnen, dass selbst wenn sie zeit­weise etwas Erfolg in ihrem Prak­ti­zie­ren hät­ten, die­ser schnell schwin­den würde. Ich ließ sie das Los­las­sen ihres eige­nen Wis­sens oder ihre gewohn­ten Wege des Wis­sens üben, weil dies Behin­de­run­gen sind. Ich ließ sie „Was ist Kul­ti­vie­rung?“ üben. Nach­dem sie der­ar­ti­gen Dharma für etwa acht Monate prak­ti­ziert haben, fügte ich ihrer Pra­xis die Große Voll­kom­men­heit (Dzog­chen) und andere Dhar­mas hinzu. Ein Wun­der geschah dann. Wäh­rend eines Tests sei­nes Fort­schritts, wandte der Rin­po­che die „Vajra Fist Power­ful Thun­der True Dharma Palm“ an und mani­fes­tierte große Kräfte. Hin­ge­gen mani­fes­tierte der Dhar­ma­meis­ter kei­ner­lei Kräfte. Er fuhr fort die­sen Dharma der Kul­ti­vie­rung zu prak­ti­zie­ren. Unter mei­nem sorg­fäl­ti­gen Auf­zei­gen sei­ner Defi­zite, ver­stand er schließ­lich die Wich­tig­keit von wah­rer Kul­ti­vie­rung und wie wahre Kul­ti­vie­rung die Ver­wen­dung von Zeit und Ener­gie für die tat­säch­li­che Aus­füh­rung der drei Kar­mas erfor­dert. Letzt­end­lich ver­stand er, dass es keine Mög­lich­keit, wel­cher Art auch immer, für jeg­li­ches Nach­ge­ben oder Kom­pro­miss in die­ser Hin­sicht gibt. Er fuhr für drei Monate mit sei­ner Pra­xis fort. In einem Test um seine Fähig­keit Ver­wirk­li­chung zu mani­fes­tie­ren zu ermes­sen, wur­den seine Kräfte voll­stän­dig dargelegt.

Wer auch immer in solch einer Art kul­ti­vie­ren und seine Pra­xis ent­spre­chend dem Dharma ver­wirk­li­chen kann, wird des­halb imstande sein den wah­ren Buddha-Dharma zu erlan­gen. Er wird auf natür­li­che Weise Weis­heit ent­wi­ckeln. Er wird sich nicht mit lee­ren Theo­rien bezüg­lich der Fünf Vidyas beschäf­ti­gen. Statt­des­sen wird er tat­säch­li­che Zustände der Ver­wirk­li­chung in den Fünf Vidyas mani­fes­tie­ren. Solch eine Per­son wird die „Mani­fes­tie­rung der wun­der­ba­ren Exis­tenz (Über­na­tür­li­che Kräfte)“ rea­li­sie­ren, die Bodhi-Frucht erlan­gen und die Stufe eines Bodhi­satt­vas betreten.

Die Prak­ti­zie­ren­den aller bud­dhis­ti­schen Schu­len soll­ten diese Regeln der Kul­ti­vie­rung befol­gen und soll­ten Bodhi­citta prak­ti­zie­ren. Wenn man solch einem Dharma der Kul­ti­vie­rung in sei­ner kor­rek­ten Rei­hen­folge nicht folgt, dann wird man leicht ver­wirrt und ver­liert sei­nen Weg. Sol­cher Dharma ist der Schlüs­sel zu den Metho­den der Aus­übung von Kultivierung.

Das Ler­nen der Metho­den zur Aus­übung von Dharma ist eine andere Sache. Alle segens­rei­chen Aus­wir­kun­gen, die sich vom Ler­nen des Dhar­mas ablei­ten las­sen, basie­ren auf Kul­ti­vie­rung. Wenn die Aus­übung in genauer Überein­stim­mung mit dem Dharma ist, dann wird man auf natür­li­che Weise Tugend ver­wirk­li­chen und wird mit Erfolg den wah­ren Zustand errei­chen. Hat man die kor­rek­ten Regeln hin­sicht­lich der Kul­ti­vie­rung nicht, wird der Dharma, den man lernt, Dharma basie­rend auf fal­scher Ansicht oder sogar der böse Dharma von Dämo­nen sein. Wenn man sich nach dem Dharma der Kul­ti­vie­rung rich­tet, wie in die­sem Dis­kurs vor­ge­ge­ben, ist der Dharma den man lernt guter Dharma und man ist mit der Aus­übung des Buddha-Dharmas befasst. Kul­ti­vie­rung beinhal­tet ebenso die zehn guten Eigen­schaf­ten, die vier gren­zen­lo­sen Geis­tes­zu­stände (die vier Uner­mess­lich­kei­ten), die sechs Para­mi­tas (Voll­kom­men­hei­ten) und die vier all­um­fas­sen­den Bodhisattva-Tugenden (die vier Metho­den, die Bodhi­satt­vas gebrau­chen, um sich Lebe­we­sen zu nähern und sie zu ret­ten), etc.

Einige Schü­ler wer­den den­ken, dass sie alles von dem wich­ti­gen Dharma ken­nen, den ich heute über Kul­ti­vie­rung dar­ge­legt habe. Sie wer­den des­halb über die Kul­ti­vie­rung, von der ich gespro­chen habe, nicht sorg­sam reflek­tie­ren und sie nicht voll­stän­dig in ihr Den­ken auf­neh­men. Viel­mehr hegen sie in ihren Her­zen den Wunsch, einen gro­ßen Dharma zu ler­nen, wodurch sie noch in die­sem Leben ein Bud­dha werden.

Jeder mit solch einer Geis­tes­hal­tung hat nur ober­fläch­li­ches Wis­sen, ist in Ver­wir­rung gestürzt und hat sei­nen Weg ver­lo­ren. Solch eine Per­son wird nicht den wah­ren Buddha-Dharma ler­nen. Selbst wenn er gro­ßen Dharma prak­ti­ziert, wie etwa die Große Voll­kom­men­heit (Dzog­chen) der Nyingma-Schule, „Mind-Within-Mind“ der Kagyu-Schule, die Große Voll­kom­men­heit der Wun­der­vol­len Weis­heit der Sakya-Schule, das Kalachakra-Vajra der Geluk-Schule, Zen-Meditation der Zen-Schule des exo­te­ri­schen Bud­dhis­mus, Rezi­tie­ren eines Buddha-Namens der Reines-Land-Schule, den Dharma der Nur-Bewusstsein-Schule oder Sama­tha und Vip­asyana der Hinayana-Schule, wird er keine Früchte aus sei­ner Pra­xis erlan­gen und nicht imstande sein, sein Bewusst­sein in Weis­heit umzu­wan­deln. Des­halb wird er wei­ter im Zustand einer gewöhn­li­chen Per­son umher­ge­hen. Er wird nicht imstande sein, irgend­eine Ver­wirk­li­chung zu mani­fes­tie­ren, deren Ursprung die Weis­heit des exo­te­ri­schen und eso­te­ri­schen Bud­dhis­mus ist. Er wird nicht imstande sein, irgend­eine wirk­li­che Errun­gen­schaft in den Fünf Vidyas vor­zu­wei­sen. Er wird ledig­lich imstande sein, das zu mani­fes­tie­ren, was eine gewöhn­li­che Per­son mani­fes­tiert. Er könnte sogar ziem­lich dumm sein, der­art, dass er sich nur Theo­rien in Büchern mer­ken kann und von lee­ren Theo­rien spricht, völ­lig unfä­hig diese Theo­rien in die Tat umzu­set­zen. Solch eine Per­son kann genau genom­men gar nichts tun. Selbst wenn er einige Dinge kann, kann er jene Men­schen in der Welt nicht über­tref­fen, die Exper­ten in die­sen Din­gen sind.

Denkt dar­über nach. Ver­kör­pert solch eine Per­son den Buddha-Dharma? Ist die vom Buddha-Dharma ent­stam­memde Weis­heit so gering? Wie kann einer, der noch keine hei­lige Weis­heit ent­wi­ckelt und immer noch das Bewusst­sein einer gewöhn­li­chen Per­son hat, den wah­ren Dharma besit­zen, um sich selbst und andere zu erleuch­ten? Tritt man jedoch gemäß die­sen Regeln in die Aus­übung von Dharma ein, dann kann man den wah­ren Buddha-Dharma emp­fan­gen, kann wirk­lich befä­higt wer­den in exo­te­ri­schem und eso­te­ri­schem Bud­dhis­mus und kann Fer­tig­kei­ten in den Fünf Vidyas mani­fes­tie­ren. Wir soll­ten daher ver­ste­hen, dass Kul­ti­vie­rung die Grund­lage für das Ler­nen des Dhar­mas, die Ursa­che der Befrei­ung und die Quelle für die Ver­wirk­li­chung des Zustands der Hei­lig­keit ist.

Heute habe ich kurz dar­über gespro­chen, was Kul­ti­vie­rung ist. Ich habe den Gegen­stand kor­rek­ter Aus­übung von Bodhi­citta erklärt, die Teil der Kul­ti­vie­rung ist. Ich sprach nicht über andere Dhar­mas. Es gibt so viel mehr zu leh­ren. Wenn ich aller­dings diese ande­ren Leh­ren bei­läu­fig in die­sem Buch erör­terte, so würde es nicht in Ein­klang mit den Regeln der Dis­zi­plin ste­hen und leicht das nega­tive Karma der Respekt­lo­sig­keit erzeu­gen. Des­we­gen hoffe ich, dass ihr alle, die ihr den Bud­dhis­mus lernt, tief in den Tri­pitaka und die eso­te­ri­schen Schrif­ten ein­taucht oder meine auf­ge­zeich­ne­ten Lehr­re­den über den Dharma hört. Wenn ihr auf­merk­sam die­sen Lehr­re­den über den Dharma mit eurem gan­zen Her­zen zuhört, könnt ihr inner­halb von zehn Tagen einen gewis­sen Grad an Freude oder die wun­der­bare Freude der gro­ßen Erleuch­tung erlan­gen. Wenn die Ursa­chen und Bedin­gun­gen rei­fen, wer­det ihr segens­rei­che Aus­wir­kun­gen für euer gesam­tes Leben erfah­ren oder sogar große Errun­gen­schaf­ten, Befrei­ung und Bud­dha­schaft erlangen.

Nun, da ihr die­sen Dharma der Kul­ti­vie­rung gelernt habt, wollt ihr ihn prak­ti­zie­ren? Jeder, der sich mit wah­rer Kul­ti­vie­rung beschäf­tigt, kann voll­kom­men im Dharma wer­den und die Befrei­ung vom Kreis­lauf von Geburt und Tod erlan­gen. Des­halb müs­sen wir etwas klar ver­ste­hen. Obwohl ihr „Was ist Kul­ti­vie­rung“ gele­sen habt und obwohl ihr die acht Grund­sätze der Kul­ti­vie­rung und die zwei Sätze der sie­ben Zweige, basie­rend auf rech­ten Ansich­ten gele­sen habt, so wird das „das Lesen von Wor­ten bezüg­lich der Pra­xis“ genannt. Das ist nicht Kul­ti­vie­rung. Wenn ihr die Prin­zi­pien bezüg­lich der Kul­ti­vie­rung ver­steht, wird das „das Ver­ste­hen der Theo­rien der Pra­xis“ genannt. Dies ist auch nicht Kul­ti­vie­rung. Wenn ihr anfangt, die­sen Dharma der Kul­ti­vie­rung gemäß des­sen Inhalts in die Tat umzu­set­zen, ist auch das nicht Kul­ti­vie­rung. Das wird „das Ein­tre­ten in den Pro­zess der Kul­ti­vie­rung“ genannt. Wenn ihr euer Äußers­tes getan habt, um gro­ßes Mit­ge­fühl in Überein­stim­mung mit die­sem Dharma der Kul­ti­vie­rung anzu­wen­den, so ist das „grobe Kul­ti­vie­rung“. Es ist nicht wahre und kor­rekte Kul­ti­vie­rung. Wenn ihr nicht euer Äußers­tes tun müsst, um gro­ßes Mit­ge­fühl anzu­wen­den, wenn ihr natür­lich, mühe­los und voll­kom­men die acht Grund­sätze der Kul­ti­vie­rung und die zwei Sätze der sie­ben Zweige gemäß die­sem Dharma aus­führt, das wird „Kul­ti­vie­rung“ genannt.

Warum ist es so, dass sein Äußers­tes in Kul­ti­vie­rung tun, nicht „Kul­ti­vie­rung“, son­dern „grobe Kul­ti­vie­rung“ genannt wird? Es ist so, weil seit anfangs­lo­ser Zeit die Kraft des Kar­mas und die Hin­der­nisse der Unwis­sen­heit die Prak­ti­zie­ren­den behin­dert haben. Des­halb kön­nen sie Gier (selbst­süch­tige Begierde), Hass (Wut oder Abnei­gung) und Unwis­sen­heit (Selbst­täu­schung) nicht los­las­sen. Sie kön­nen ihre Anhaf­tung an ihr Selbst nicht los­las­sen. Dies erzeugt die Hin­der­nisse, die auf den Ver­un­rei­ni­gun­gen (Lei­den) beru­hen. Dies erzeugt ebenso die Hin­der­nisse, die aus ihrem eige­nen Wis­sen oder gewohn­ten Weg des Wis­sens her­vor­ge­hen. Diese kar­mi­schen Hin­der­nisse ver­schlin­gen die gesamte rechte Acht­sam­keit (rechte Denk­weise) die­ser Prak­ti­zie­ren­den. Dem­zu­folge ist der Pro­zess der Umset­zung die­ser Regeln der Kul­ti­vie­rung für diese Prak­ti­zie­ren­den schwie­rig. Gerade wegen die­ser Schwie­rig­keit wäh­len sie die Methode, sich aller­größte Mühe zu geben, um Kul­ti­vie­rung zu prak­ti­zie­ren. Sich auf diese Weise aller­größte Mühe zu geben ist wie ein Kie­sel­stein, der innen und außen rau ist, statt eines glän­zen­den, kost­ba­ren Stei­nes, der geformt und poliert wurde. Das Prak­ti­zie­ren von Tei­len der acht Grund­sätze der Kul­ti­vie­rung und den zwei Sät­zen der sie­ben Zweige und das Nicht­prak­ti­zie­ren der übri­gen Tei­len wird eben­falls nicht Kul­ti­vie­rung genannt. Darum wird es „grobe Kul­ti­vie­rung“ oder „unvoll­stän­dige Kul­ti­vie­rung“ genannt.

Gründ­li­ches Ver­ste­hen der Regeln der Kul­ti­vie­rung, sie nicht gewalt­sam in die Tat umset­zen und auf natür­li­che Weise die acht Grund­sätze und zwei Sätze der sie­ben Zweige gemäß dem Dharma aus­füh­ren, ist wahre Kul­ti­vie­rung, die ohne Anhaf­tung an ein Selbst ist und die Hin­der­nisse über­wun­den hat. Dies ist der Bodhi-Weg. Folg­lich soll­ten Prak­ti­zie­rende sich jeden Tag auf Großes-Mitgefühl-für-Meine-Mutter-Bodhicitta und Bodhisattva-Übereinstimmung-Bodhicitta prü­fen. Sie soll­ten über die zwei Sätze der sie­ben Zweige nach­sin­nen, sich selbst fra­gen, ob sie gemäß dem Dharma prak­ti­ziert haben. Wenn es euch nicht mög­lich war, diese Regeln gemäß dem Dharma aus­zu­üben, wie er in die­sem Dis­kurs ent­hal­ten ist, zeigt das, dass ihr in den Zustand der „gro­ben Kul­ti­vie­rung“ ein­ge­tre­ten seid. Wenn ihr diese Regeln nicht voll­stän­dig in die Tat umge­setzt habt, dann ist eure Kul­ti­vie­rung unvoll­stän­dige Kul­ti­vie­rung. Ihr wer­det im Dharma nichts errei­chen und vom Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt durch sol­che unvoll­stän­dige Kul­ti­vie­rung nicht befreit. Selbst wenn ihr einige klei­nere Errun­gen­schaf­ten habt, wird es für euch unmög­lich sein, gro­ßes Ver­mö­gen und Weis­heit, über­na­tür­li­che Kräfte und Ver­wirk­li­chung in den Fünf Vidyas zu erlangen.

Wenn ihr euch jeden Tag auf diese zwei Sätze der sie­ben Zweige prüft, sie nicht gewalt­sam in die Tat umsetzt, außer­or­dent­lich mit­füh­lend seid, Gütig­keit in natür­li­cher Weise folgt und die zwei Sätze der sie­ben Zweige natür­lich und gemäß dem Dharma aus­führt, das wäre wahre Kul­ti­vie­rung und voll­stän­dige Pra­xis. Ihr wer­det dadurch mühe­los fähig sein Befrei­ung zu errei­chen, ein hei­li­ges Wesen zu wer­den und Glück und Weis­heit zu erlan­gen. Ihr wer­det dem­ent­spre­chend Ver­wirk­li­chung in den Fünf Vidyas haben. Ihr wer­det gewiss die Stufe eines Bodhi­satt­vas errei­chen. Des­halb soll­tet ihr ver­ste­hen, dass „das Lesen von Wor­ten bezüg­lich der Pra­xis“, „das Ver­ste­hen der Theo­rien der Pra­xis“, „das Ein­tre­ten in den Pro­zess der Kul­ti­vie­rung“ und „unvoll­stän­dige Kul­ti­vie­rung“ ein­fach sind. Die zwei Sätze der sie­ben Zweige voll­kom­men und ohne Anhaf­tung zu prak­ti­zie­ren ist schwie­rig. Genau genom­men tre­tet ihr unmit­tel­bar in kor­rekte und wahre Kul­ti­vie­rung ein, wenn ihr die Anhaf­tung an euer Selbst los­lasst. Wie könnte dies schwie­rig sein? Jeder kann das!

Wenn ihr eure täg­li­che Selbst­prü­fung macht, ist es wich­ti­ger, neben dem Gebrauch von Gedan­ken zur ein­ge­hen­den Betrach­tung und Visua­li­sie­rung, dass ihr als Objekte für die Selbst­prü­fung Mit­schü­ler nehmt, mit denen ihr ver­traut seid, Men­schen, mit denen ihr aus­kom­men müsst, Men­schen, die nicht gut zu euch sind, nega­tive kar­mi­sche Bedin­gun­gen, irgend­wel­che Bedin­gun­gen oder Men­schen, die euch unglück­lich machen oder Men­schen, von denen ihr denkt, dass man schwer mit ihnen aus­kommt, zu denen ihr nicht sprecht oder die nicht zu euch spre­chen. Ihr müsst sie als Objekte für eure Pra­xis ver­wen­den, euch selbst fra­gen, „Habe ich heute in Überein­stim­mung mit den zwei Sät­zen der sie­ben Zwei­gen gehan­delt und durch meine eigene Initia­tive die­sen Men­schen gegen­über Wohl­wol­len gezeigt? Als ich mich aus eige­ner Initia­tive an die Per­son gewen­det habe und sie mich mit belei­di­gen­den Wor­ten beschimpft hat, habe ich diese Belei­di­gun­gen mit Nach­sicht gedul­det und fuhr ich fort, mich ihr zu nähern, um Wohl­wol­len zu zei­gen? Ihr dürft kei­nen Groll infolge belei­di­gen­der Worte, belei­di­gen­dem Ver­hal­tens und Beschimp­fun­gen her­vor­brin­gen. Wenn ihr euer Bodhi­citta jeden Tag ohne nach­zu­ge­ben prak­ti­ziert, die zwei Sätze der sie­ben Zweige mit­tels eurer drei Kar­mas der kör­per­li­chen Hand­lung, Rede und Gedan­ken aus­führt, euch selbst wirk­lich gemäß dem Dharma in einem ech­ten und kon­kre­ten Weg kul­ti­viert und rea­li­siert, dass „das Ding an sich leer ist,“ dann wird es sehr ein­fach für euch sein, den höchs­ten Buddha-Dharma zu ler­nen. In solch einem Fall wer­den Bodhi­citta und die Stufe eines Bodhi­satt­vas natur­ge­mäß euer sein. Das ist Kultivierung.

Ich bin fer­tig mit der Dar­le­gung des Dhar­mas der Kul­ti­vie­rung, der den Lebe­we­sen Nut­zen brin­gen wird. Aller­dings gibt es eine bestimmte Art von Ange­le­gen­heit, die schäd­lich für Lebe­we­sen ist und stän­dig auf­tritt. Ich beziehe mich auf die Ange­le­gen­heit, mei­nen Namen dazu zu ver­wen­den, Lebe­we­sen in ihren Belan­gen Scha­den zuzu­fü­gen. Ich möchte nun noch mal auf ein Pro­blem auf­merk­sam machen, das beson­ders wich­tig ist und das jeder ernst neh­men sollte.

In die­ser Welt gibt es der­zei­tig einige Dhar­ma­kö­nige, Alt­ehr­wür­dige, Rin­po­ches, Dhar­mal­eh­rer und selbst Laien, die behaup­ten, dass sie meine ver­trau­ten Nach­fol­ger sind. Sie mögen behaup­ten, mich in der Behand­lung einer bestimm­ten Ange­le­gen­heit zu ver­tre­ten. Sie mögen behaup­ten, dass sie eine bestimmte Nach­richt von mir über­brin­gen. Oder sie mögen behaup­ten, dass das was sie sagen, meine Worte sind. Tat­säch­lich habe ich Schü­ler in exo­te­ri­schem und eso­te­ri­schem Bud­dhis­mus, sowie in allen der Haupt­schu­len. Ganz gleich wie die Stel­lung irgend­ei­ner außer­or­dent­lich tugend­haf­ten Per­son sein mag, die solch eine Behaup­tung macht, nie­mand kann mich reprä­sen­tie­ren. Dies gilt selbst für sehr kleine Angelegenheiten!

Nur wenn eine Per­son ein spe­zi­el­les Doku­ment hat, das ich ihm oder ihr gege­ben habe, wel­ches ein­deu­tig erken­nen lässt, dass er oder sie mich in der Behand­lung einer bestimm­ten Ange­le­gen­heit ver­tritt, das Doku­ment meine Unter­schrift und mei­nen Fin­ger­ab­druck ent­hält und dem Doku­ment eine ent­spre­chende Ton­auf­nahme oder ein Video­band bei­liegt, kann er oder sie mich in der Behand­lung der Ange­le­gen­heit ver­tre­ten, wie sie in dem Doku­ment ange­ge­ben ist. Ande­ren­falls, ganz gleich wie hoch die Stel­lung eines Dhar­ma­kö­nigs, Alt­ehr­wür­di­gen, Rin­po­ches oder Dharma-Lehrers auch sein mag, seine oder ihre Ansich­ten, Abhand­lun­gen und Dar­le­gun­gen des Dhar­mas stel­len nicht meine Ansich­ten dar und die­nen nicht als Stan­dard für rech­tes Ver­ständ­nis und rechte Ansich­ten. Ich weiß, dass meine eige­nen münd­li­chen Abhand­lun­gen und Auf­zeich­nun­gen der wahre Dharma ohne Ver­zer­rung sind. Das ist so, weil meine münd­li­chen Abhand­lun­gen und Auf­zeich­nun­gen Lebe­we­sen wirk­li­chen Nut­zen brin­gen und diese befreien. Außer­dem darf nie­mand jed­wede Metho­den anwen­den, um meine Auf­zeich­nun­gen oder münd­li­chen Abhand­lun­gen über den Dharma zu ergän­zen, zu kür­zen oder zu über­ar­bei­ten. Jeder, der das miss­ach­tet, was oben genannt wird, ist sicher jemand mit fal­schen Ansich­ten oder jemand, der in dämo­ni­sche Gepflo­gen­hei­ten gestürzt ist, ganz gleich wie hoch die Stel­lung die­ser Per­son ist.

Des­halb kann mich jemand nur dann ver­tre­ten, wenn jeder per­sön­lich ein Doku­ment sieht, das mei­nen Fin­ger­ab­druck ent­hält und es einen bei­lie­gen­den Beweis in der Form einer ergän­zen­den Ton­auf­nahme oder eines Video­bands gibt, das mit dem Doku­ment überein­stimmt und in dem ich per­sön­lich spre­che. Ande­ren­falls, ganz gleich wer der bud­dhis­ti­sche Schü­ler sein mag, ein­schließ­lich den Schü­lern von hei­li­ger Tugend, die für lange Zeit an mei­ner Seite waren, ist alles was sie den­ken, tun, sagen oder schrei­ben deren eigene Hal­tung und reprä­sen­tiert mich auf kei­nen Fall!