Sakyamuni Buddha lehrte vor über 2.500 Jahren im Talbecken des Ganges im Nordwesten Indiens viele verschieden Arten von Schülern – von Bettlern bis Königen über monastische Mitgliedern und Laien-Anhänger. Es wird gesagt, dass der Buddha 84.000 verschiedene Dharmas lehrte, um den Wesen dabei zu helfen sich von den Leiden der weltlichen Existenz zu befreien, die durch die 84.000 verschiedenen Bedrängnisse verursacht werden. Ein Konzil von 500 Arhats wurde augenblicklich vom Ehrwürdigen Mahakasyapa nach dem Paranirvana des Buddha einberufen wurde. Während dieser Zusammenkunft rezitierte der Ehrwürdige Upali die monastischen Regeln, die als Vinaya bekannt wurden, während der Ehrwürdige Ananda die Sutras rezitierte. Für 400 Jahre wurden die Lehren nur mündlich übermittelt.

Jetavanaramaya Stupa326 v. Chr., einige hundert Jahre nach dem Tod Buddhas, teilte sich der Sangha in zwei Schulen: die Mahasanghika oder die Mehrheit, die Veränderungen wollten und die Staviravada, die gegen jede Änderung waren. Etwa hundert Jahre später unterteilte sich die Sthaviravada-Schule weiter in die Sarvastivada- und in die Vibhajyada-Schule. Die Sarvastivada wanderte nach Nordindien in die Kaschmir-Region ab, während die Vibhajyavada im Tal des Ganges unter dem großen buddhistischen König Ashoka (272-231 v. Chr.) aufblühte. 247 v. Chr. sandte König Ashoka seinen Sohn, den Mönch Mahinda, und seine Tochter Sanghamitta, eine Nonne, nach Sri Lanka, um dort den Buddhismus einzuführen.

Bis zum ersten Jahrhundert n. Chr. gab es 18-20 verschiedene Schulen, jede mit ihrer eigenen Version von Buddhas Lehren. Zwei schriftliche Versionen blieben erhalten, zumindest teilweise: die in der alten Sprache Pali von den Tamrashatiyas in Sri Lanka erstellte und als die Südliche Überlieferung bekannte Version und eine von den Sarvastivadas erstellte Sanskrit-Version, die als die Nördliche Überlieferung bekannt ist. Diese wurden bekannt als das Tripitaka oder die drei Körbe des Vinaya oder den Verhaltensregeln für Mönche und Nonnen, den Sutras oder der Sammlung der anleitenden Lehrreden des Buddha und Seiner engsten Schüler sowie den Kommentaren, die den Abidharma einschließen und aus der extrahierten und systematisierten Philosophie bestehen, die den Lehren inne ist. Die Südliche Überlieferung besteht noch als der Pali-Kanon und wird von der Theravada-Schule in Sri Lanka, Burma, Thailand und weiteren ostasiatischen Ländern befolgt. Obwohl nur noch Fragmente der Nördlichen Überlieferung im originalen Sanskrit bestehen, wurden die Schriften ins Tibetische und Chinesische übersetzt und viele dieser Übersetzungen existieren noch. Die tibetische Überlieferung wurde auch ins Mongolische übersetzt, während die chinesische Überlieferung die Basis für die koreanischen und japanischen Schriften wurde.

Der Buddha begann mit den Mahayana-Lehren und sagte voraus, dass große Meister erscheinen werden, um diese Tradition wieder zu beleben und die Lehren zu erklären, die von der großen Menge der Anhänger noch nicht verstanden werden konnte. Der Mahayana-Buddhismus entstand während des ersten oder zweiten Jahrhunderts v. Chr. aus der Mahasanghika. Es ersetzte das Konzept des Arhat mit dem des Bodhisattva als das höchste Ideal des Buddhismus. Das Mahayana entstand auch aus der wachsenden Laien-Bewegung, da der größte Fokus im frühen Buddhismus auf den monastischen Gemeinschaften lag, obwohl die großen Mahayana-Lehrer auch Mönche waren.

Der Buddha selbst was sich sehr bewusst über die Beschränkung von Worten in Bezug darauf, die spirituelle Realität auszudrücken. Es gibt eine berühmte Geschichte darüber, wie der Buddha eine Blume vor der Versammlung hochhielt und lächelte, ohne etwas zu sagen. Die Mönche waren dadurch verwirrt. Nur der Ehrwürdige Mahakasyapa reagierte darauf, um anzudeuten, dass er verstanden hätte, dass die Wahrheit jenseits von Worten und Lehren ist.

Die früheste und bekannteste Mahayana-Schrift ist das Prajnaparamita Sutra, zusammengestellt vom Meister der Madhyamaka- oder der „Mittlerer Weg“-Schule, dem großen Mahasiddha Nagarjuna, zu Beginn unserer Zeitrechnung aus früheren Werken und unterschiedlichen vom Buddha geäußerten Lehren, als Er in Seiner Nirmanakaya-Form lehrte. Das wohlbekannte Herz-Sutra und das Diamant-Sutra stellen die Essenz dieser Lehren dar.

Guru Rinpoche (Padmasambhava)Vieles des Vajrayana- oder tantrischem Buddhismus wurde durch Vajrasattva und anderen heiligen Wesen in deren Sambhogakaya-Verkörperungen übertragen, obwohl Sakyamuni Buddha spät mit dieser Lehre in Seinem Leben begann und die späteren Lehren vorhersagte. In der Zeit von Nagarjun gab es Meister, deren Verwirklichung hoch genug war, um direkt mit diesen Samboghakaya-Wesen kommunizieren zu können. Die grundlegenden esoterischen Lehren übertrug Er direkt an Seinen Sohn Rahula. Es ist ein sehr, sehr schneller Weg Verwirklichung zu erreichen. Wenn, und nur wenn man die Möglichkeit hat, einem echten Vajra-Meister zu folgen, kann man die Buddhaschaft innerhalb eines einzigen Lebens durch das Anwenden dieser Methode realisieren. Es ist eine sehr konzentrierte Form des Buddhismus, durch die man viele übernatürliche Kräfte erlangen kann. Nur hochqualifizierte Menschen können dies erreichen. Tatsächlich ist es für die meisten Wesen einfacher, die Buddhaschaft in diesem Leben zu erreichen, als in einem himmlischen Daseinsbereich. In den höheren Bereichen verfügt man unter Umständen nicht einmal über einen Körper, sondern nur über Bewusstsein. Das Leben hier ist sehr schwierig mit vielen Schmerzen und Leiden verbunden. Dies liefert die Motivation und das Rohmaterial für die Umwandlung und Realisierung. Viele Menschen haben das Glück spiritueller Entwicklung nachgehen zu können, was in den niederen Daseinsbereichen als Höllenwesen, hungrige Geister oder als Tier oder auch in unglücklichen menschlichen Geburten nicht möglich ist.

Vajrayana-Buddhismus war im siebten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gut etabliert. Seine Methoden entwickelten sich aus der Tradition der spirituellen Sadhus, Yogis, die in Indien umherwanderten und Meister in tantrischer Praxis waren, die darauf ausgerichtet war, Verwirklichung zu erlangen. Wie zuvor jedoch erwähnt, kamen die Lehren selbst ursprünglich mit Sakyamuni Buddha. Die Quelle all dieser Lehren kommt von Dorje Chang Buddha, der Sich als Dipankara Buddha manifestierte und sie Sakyamuni Buddha in einem anderen Daseinsbereich lehrte. Es gipfelte in Tibet, wo es an die indigen-schamanische Bon-Religion angepasst und die lokalen Gottheiten als Dharma-Beschützer integriert wurden. Vajrayana-Buddhismus basiert auf den geheimen Lehren von Sakyamuni Buddha, die nur mündlich auf sehr hohe Meister und höhere Wesen übertragen wurden. Diese Meister wiederum übertrugen diese Lehren an bestimmte hochentwickelte Menschen, wenn die Bedingungen gegeben waren, diese erhalten zu können. Es gab sogar bestimmte Menschen wie Tilopa, Sukasiddhi und Niguma, die einen Grad der Verwirklichung erreichten, der sie befähigte, den Dharma direkt von Dorje Chang Buddha zu lernen. Das Ziel dieser Form des Buddhismus ist es, den eigenen Körper, die eigene Sprache und den Geist in einen Körper, Sprache und Geist eines voll erleuchteten Buddhas durch spezielle yogische Mittel zu verwandeln, die eine Vielzahl von Ritualen und geheimen Methoden enthalten. Im Tantra ist alles mit kosmischer Energie ausgestattet. Zum Beispiel können Klänge oder Mantras kraftvolle spirituelle sowie physische Auswirkungen hervorbringen, wie die moderne Wissenschaft es gerade erst anfängt zu entdecken. Genauso haben Bewegungen wie Niederwerfungen rituelle Bedeutung sowie physische und spirituellen Wirkung.

Kloster TaktsangTantra erfordert Initiation oder Bemächtigung eines qualifizierten Meisters, der spezielle Lehren, Rituale und Praktiken anbietet, die den Schüler befähigen, die dunklen Aspekte der Psyche zu entwurzeln oder zu eliminieren und so wie die Bodhisattvas und Buddhas zu werden. Übernatürliche Kräfte, die als natürliches Ergebnis der Realisierung angesehen werden, werden von qualifizierten Meistern angewendet. Jedoch dürfen gewöhnliche Schüler nicht über dies reden oder sie zur Schau stellen. Nur sehr hoch entwickelte Bodhisattvas und Buddhas wagen es solche Kräfte zu demonstrieren und dann nur um Lebewesen zu helfen. Eine Person die Initiation anstrebt, muss ein Verständnis der Leerheit demonstrieren, hohes moralisches Verhalten zeigen und ein selbstloses Verlangen entwickelt haben, allen Wesen zu helfen. Man nimmt an, dass jede Ermächtigung nur geringe Wirkung haben wird, ohne ordnungsgemäßer Grundlage in der richtigen Durchführung der vorbereitenden Übungen oder Prayogas. Diese Übungen können in vorherigen sowie im jetzigen Leben durchgeführt worden sein. Es versteht sich, dass übernatürliche Kräfte nicht jemandem gegeben werden können, der die negativen Aspekte des Selbst nicht eliminiert hat.

Selbst heute werden die höchsten tantrischen Lehren und Übungen nur mündlich übertragen und werden in großer Verschwiegenheit zwischen dem Lehrer und dem Schüler gehalten. Aufgrund der Macht dieser Lehren, versteht es sich, dass der Schüler sorgfältig vorbereitet sein muss, sie zu erhalten. Ein wahrer Meister wird normaler Weise einen Schüler für längere Zeit testen, bevor er die höheren Lehren überträgt.