Obwohl vermutlich die meisten westliche Menschen, die zum Buddhismus kommen, sich wünschen oder erwarten Meditationsunterweisungen zu bekommen, spielte S. H. Dorje Chang Buddha III diesen Übungsaspekt für Anfänger herunter. Seine Heiligkeit hat immer wieder gesagt, dass es nutzlos ist irgendeine der sogenannten „Techniken“ zu praktizieren ohne zuerst die zugrundeliegende Ursache der Ausübung zu verstehen.

Seine Heiligkeit Dorje Chang Buddha III erklärte, dass Meditation nicht als Konzentration per se gelehrt werden sollte. „Diese Art der Praxis ist bloß ,Totes-Holz-Meditation‘, bei der man lediglich wie ein Stück totes Holz wird. Bei der echten Meditationspraxis geht es um das Aufrechthalten von Standhaftigkeit und Unerschütterlichkeit im Alltagsleben. Es ist das Nicht-Anhaften weder an Freude, noch an Leid oder an irgendeinem anderen emotionalen Zustand, die wir mit den ,Acht Winden‘ vergleichen, die uns an den Kreislauf der Wiedergeburt gebunden halten. Das ist wahre Meditation.“ Die acht Winde sind Lob und Tadel, Gewinn und Verlust, Freude und Trauer, sowie Ruhm und Schande.

Seine Heiligkeit sagte ebenfalls, dass Meditation als eigene „Arbeit“ betrachtet werden sollte. Diese Unterweisung hat viele Bedeutungsebenen doch das beste Verständnis wird durch ein Sutra ermöglicht, das von Seiner Heiligkeit im Alter von zwanzig Jahren geschrieben wurde. In dem Sutra „A Monk Expounds the Truth to a Layperson“ erklärt der heilige Mönch, dass „während alle guten und schlechten Zustände kommen, sie (die Bodhisattvas) durchdringende Ehrerbietigkeit praktizieren. Indem man in dieser Weise handelt, sind die eigenen Handlungen die Tätigkeit der eigenen Natur und die eigene Natur ist die Essenz der eigenen Handlungen. Essenz und Tätigkeit sind ursprünglich nicht verschieden. Deshalb sind die eigenen Handlungen die eigene Natur und die eigene Natur, die eigenen Handlungen.“ So sollten man sich bemühen zu meditieren. Man ist respektvoll, was auch immer den Weg lang kommt und folgt dem Pfad, sich selbst in einer natürlichen und mühelosen Weise zu kultivieren. Man sollten in seinen weltlichen Angelegenheiten nach der Erleuchtung streben.

Des Weiteren sagt der erleuchtete Mönch zum Laien, dass „es bei der Konzentration eines Tathagatas kein Austreten aus oder Eintreten in die Konzentration gibt. Nicht-Konzentration ist ebenfalls Konzentration. Konzentration ist ebenfalls Nicht-Konzentration. Das ist mit Konzentration gemeint. Eigentlich gibt es keine Konzentration, da es keinen Augenblick gibt, in dem man nicht in Konzentration ist. Ob man läuft, steht, sitzt, liegt oder Angelegenheiten erledigt, man ist immer im Zustand der Konzentration.“ Dies ist mit wahrer Meditation gemeint. Die Methoden sind nur dazu bestimmt, einen an diesen Punkt zu bringen.

In der selben Abhandlung sagt der Mönch: „Wenn du in diese große Konzentration eines Tathagatas eintreten möchtest, dann gibt es keinen anderen Weg als den Folgenden. Besinne dich zuerst auf deine Tugenden, um zu sehen, ob sie in Übereinstimmung mit den zum Verhalten eines Bodhisattvas gehörenden Tugenden sind. Zweitens übst du dich sorgfältig in Konzentration.“ Es ist nicht so, dass man nicht Meditation praktiziert, sondern, dass man sich selbst in jeglicher Praxis der Konzentration kultivieren muss, um den Kreislauf von Geburt und Tod effektiv beenden zu können und auf dieses Ende hin richtet man sein Bestreben aus. Man meditiert nicht, um sich glückselig zu fühlen oder um sich vom Stress zu befreien oder um besser zu werden in was auch immer man tut, obwohl dies wundervolle Begleiterscheinungen sein können. Man meditiert, um den Kreislauf von Wiedergeburt und Tod zu beenden und um frei von Leiden zu sein. Man meditiert, um ein Buddha zu werden und um sein Verlangen und seine Unzufriedenheit zu beenden.

Der von S. H. Dorje Chang Buddha III übertragene Dharma der Kultivierung beinhaltet die acht grundlegenden rechten Ansichten, im Hinblick auf das Lernen des Buddhismus und der Selbstkultivierung. Meditation ist die siebte der rechten Ansichten. Seine Heiligkeit sagte ebenfalls, dass diese Ansichten in der rechten Reihenfolge befolgt werden müssen.

Die ersten sechs Ansichten sind:

  1. Einen Geist der Unbeständigkeit zu haben, der die Ursache für Selbstkultivierung ist.
  2. Einen Geist mit festem Glauben an die Leiden von Samsara zu haben, was in Standhaftigkeit resultiert, die sich nicht ändert.
  3. Einen Geist der entschlossen ist den Kreislauf von Geburt und Tod zu verlassen oder einen Geist der Entsagung zu haben, der die Ursache für Befreiung ist.
  4. Einen Geist mit echten Gelübden zu haben. Diese Gelübde sind die Ursache für positive Handlungen. Man tut Dinge, weil man gelobt hat sie zu tun.
  5. Einen Geist der Gewissenhaftigkeit zuhaben, der die Ursache für anhaltenden Fortschritt bildet.
  6. Die sechste rechte Ansicht beinhaltet die Tugendregeln und das Einhalten der Tugendregeln. Dies gibt die korrekte Richtung der Selbstkultivierung vor.

Nur wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, ist man bereit oder fähig wahre Meditation oder Kontemplation zu praktizieren. Die Ergebnisse aus Dhyana und Samadhi sind die Ursache für Weisheit. Kultivierung zieht die Umwandlung von Bewusstsein zu Weisheit nach sich. Weisheit an sich kann nicht gelehrt werden. Es ist ein Nebenprodukt von Selbstkultivierung und Meditation. Letztendlich, und das ist die achte der rechten Ansichten, ist man fähig echtes Bodhichitta zu manifestieren, welches die Ursache dazu ist, ein Bodhisattva zu werden. Man geht in dieser Reihenfolge durch die eigene Kultivierung, aber natürlich muss man ständig Bodhichitta in die Tat umsetzen, da es die Grundlage ist, ein Bodhisattva zu werden.

Es gibt vier Kontemplationen, die, wenn man sie im eigenen Leben betrachtet und dieses als Objekt der Kontemplation verwendet, auf natürliche Weise den Geist dazu bringen, von gewöhnlichen zu heiligen Belangen zu wechseln. Zwei sind die ersten beiden, oben aufgeführten Ansichten: Herausbilden eines Geistes der Unbeständigkeit und eines Geistes mit festem Glauben an die unbefriedigende Natur von Samsara. Die anderen zwei sind Vorbedingungen für Selbstkultivierung – Verständnis, das wir benötigen, um überhaupt diesen Weg beginnen zu können. Das Erste ist ein Verständnis von der wertvollen Natur und Gelegenheit, die wir mit dieser seltenen Geburt als menschliches Wesen in dieser Zeit und an diesem Ort haben und das Zweite ist das Verständnis von Karma oder den Gesetzen von Ursache und Wirkung. Beide verlangen den Glauben an Wiedergeburt und der Existenz von anderen niederen (Höllen, Geister, Tiere) und höheren (Menschen, Asuras, Himmel) Existenzbereichen.

Die Mahamudra der Befreiung enthält die 128 Bösen und Falschen Ansichten, die uns davon abhalten, befreit zu werden. Mehrere beziehen sich auf Meditation. Die erste falsche Ansicht betrifft den Irrtum, am Anfang durch die eigene Meditation Bodhichitta, die vier grenzenlosen Geisteszustände oder die zehn Tugenden praktizieren zu wollen. Dies ist falsche Praxis, sagt uns Seine Heiligkeit Dorje Chang Buddha III. „Meditationspraxis schließt die Erkenntnis des Konzepts der Leerheit, die Erkenntnis, dass Erscheinungen frei von Merkmalen oder Eigenschaften sind, die Erkenntnis der Nicht-Anhaftung, das Abschneiden von verblendeten Gedanken und die Rückkehr zum eigenen ursprünglichen Geist ein. Ihr mangelt es an echter Praxis von Mitgefühl. Deshalb kann kein Verdienst erzeugt werden. Wie kann jemand wohl so Bodhichitta praktizieren? Deswegen sollten Praktizierende, die am Anfang stehen sich nicht auf Meditation oder Kontemplation stützen, wenn sie die vier grenzenlosen Geisteszustände oder Bodhichitta praktizieren wollen. Sie sollten sich auf die Praxis stützen, Konzepte in die Tat umzusetzen. Sie sollten ihre fixen Konzepte in wirkliche Taten umsetzen. Sie sollten ihren Geist sammeln und diesen gesammelten Geist in Handlung umwandeln. Sie müssen ihre Konzepte in die Tat umsetzen, die Aufgabe, Lebewesen zu fördern, ausführen und die Dharma-Anliegen verwirklichen, die sie kontemplieren. Sie sollten das in einer konkreten Art und Weise tun, durch jedes Wort, das sie äußern und jede Handlung, die sie ausführen. Das ist mit ‘Konzepte in die Tat’ umsetzen gemeint. Nur wenn jemand in der Umsetzung von Konzepten in Taten erfahren ist, kann man sich der Meditationspraxis zuwenden, um den Zustand der Nicht-Anhaftung an irgendetwas zu kultivieren. Durch Meditation wird man in die Praxis der Konzentration eintreten. Von da aus kann man zutiefst in die Realität eindringen, dass Leerheit und Existenz nicht verschieden sind und kann letztendlich den Zustand der Anwendung von Gewohnheiten verwirklichen, die der Buddha-Natur entspringen.“

In der zweiten falschen Ansicht warnt uns Seine Heiligkeit, dass wir Sitzmeditation nicht als Kultivierung unserer Selbst betrachten dürfen. Sitzmeditation ist nur Sitzmeditation, es ist nicht Kultivierung. „Sitzmeditation dient zur unmittelbaren Erfahrung dessen, was die eigene ursprüngliche Natur ist. Durch direkte Betrachtung kommt man zum Verständnis des eigenen Geistes und sieht die eigene ursprüngliche Natur. Allerdings kann dieses Ziel nicht immer erreicht werden. Einige wenden die Sitzmeditation mit dem Ziel an, die absolute Wahrheit der Dharma-Prinzipien unmittelbar zu erleben, sind dazu jedoch nicht fähig. Sich selbst zu kultivieren ist eine vollkommen andere Angelegenheit. Sitzmeditation macht weniger als ein Zehntel der Kultivierung aus. Meditation ist nur eine der sechs Paramitas (Vollkommenheiten), die nichts mit den anderen fünf zu tun hat. In der Selbstkultivierung muss man sich Lebewesen im echten Leben zuwenden, seinem eigenen Geist und sich so verhalten, wie der Buddha es getan hat.“

Es gibt eine weitere falsche Ansicht, an der im Buddhismus in Bezug auf Meditation festgehalten wird und das ist die Ansicht, dass nur Praktizierende der Zen-Schule ihren Geist verstehen und ihre ursprüngliche Natur sehen können. Seine Heiligkeit Dorje Chang Buddha III sagte, „Viele Menschen denken, dass nur Praktizierende der Zen-Schule ihren Geist verstehen und ihre ursprüngliche Natur sehen können. Sie denken es gibt keinen anderen Weg dies zu erreichen. Dies ist nicht richtig. Praktizierende jeder Schule können ihren Geist verstehen und ihre ursprüngliche Natur sehen. Wenn man die erforderliche Stufe der Verwirklichung durch das eigene Praktizieren erreicht, wird man seinen Geist verstehen und seine ursprüngliche Natur sehen. Echte Befreiung wird nur durch das Erreichen dieser Stufe der Verwirklichung erlangt.“

Man muss daran denken, dass bloßes Ruhigstellen des Geistes nicht das Endziel ist, obwohl es ein notwendiger Schritt sein mag. Außerdem sollte man bedenken, dass man nicht fähig sein wird seinen Geist zu konzentrieren oder zu beruhigen, solange man seine Ausübung der Tugendhaftigkeit und das Einhalten der Tugendregeln nicht vervollkommnet hat. Man kann sich mit einem schlechten Gewissen nicht konzentrieren. Das Ziel ist es ein Buddha zu werden und die Kräfte und Weisheit eines Buddhas zu erlangen, um anderen helfen zu können, sich selbst von den Leiden des gewöhnlichen Daseins zu befreien. Man darf sich nicht mit etwas anderem zufrieden geben!