Die Geschichte der Tara reicht von reinen Sphären bis in die Klöster Tibets, Chinas und darüber hinaus. Doch eine Übertragungslinie ist nur so lebendig wie die Menschen, die sie praktizieren. Es gibt nicht den einen Einstieg. Welcher Weg der richtige ist, hängt davon ab, was du mitbringst und wozu du bereit bist. Im Folgenden stellen wir drei Möglichkeiten vor, die sich in ihrer Tiefe und ihren Voraussetzungen unterscheiden.
Die Offene Praxis: Die Begegnung
Diese Praxis steht jedem offen. Du brauchst keine Vorbedingung, kein Bekenntnis und keine Erfahrung mit Buddhismus.
Was du tust: Du rezitierst die „Lobpreisungen der 21 Taras“. Der Text ruft jede der 21 Manifestationen Taras einzeln an. Ein Durchlauf dauert etwa fünf Minuten. Der Text kann, so wie er in unserer Tradition praktiziert wird, im Download-Bereich heruntergeladen werden.
Wie du es tust: Such dir einen ruhigen Ort, an dem du nicht abgelenkt wirst. Du kannst laut rezitieren, leise oder im Geist. Manche finden es hilfreich, dabei die Darstellungen der 21 Taras zu betrachten, etwa auf einem Thangka oder hier auf der Website. All das sind keine festen Regeln, sondern Möglichkeiten, die dir helfen können, bei der Praxis zu bleiben.
Wie oft: So oft du kannst und willst. Einmal am Tag ist ein guter Rhythmus für den Anfang. Manchmal wird es mehr sein, manchmal weniger.
Was dabei geschieht: Du pflanzt die ersten Samen für eine Verbindung zu Tara. Was daraus wächst, ist bei jedem Menschen anders. Was zählt, ist nicht ein bestimmtes Erlebnis, sondern die Regelmäßigkeit, mit der du den Kontakt suchst.
Die Mantra-Praxis: Der Eintritt in den Pfad
Mit der Mantra-Praxis beginnt eine ernsthafte Beziehung zum buddhistischen Weg. Diese Praxis setzt drei Dinge voraus:
- Ein persönliches Kennenlernen mit Rinpoche. Tantrische Übertragung ist keine Massenlehre. Sie braucht eine direkte Verbindung zwischen Lehrer und Schüler. Dieses Gespräch kann online oder vor Ort stattfinden und wird individuell vereinbart.
- Die Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen (Buddha, Dharma, Sangha). Dies ist das Ritual, durch das man formal Buddhist wird. Es ist kein beiläufiger Schritt, sondern eine bewusste Entscheidung, den buddhistischen Pfad als den eigenen anzunehmen. Die Zeremonie findet ausschließlich vor Ort statt.
- Das Gelübde der Fünf Tugendregeln: Kein Töten, kein Stehlen, kein Lügen, kein sexuelles Fehlverhalten, kein Berauschen. Diese Regeln sind kein moralischer Katalog, der von außen auferlegt wird. Sie sind das Fundament, auf dem die Mantra-Praxis erst wirken kann.
Was dann geschieht: In der mündlichen Übertragung (Lung) spricht Rinpoche das Mantra vor und du sprichst es nach. Der äußere Vorgang ist einfach, doch er verbindet dich mit der Überlieferungslinie und befähigt dich, das Mantra zu praktizieren. Danach praktizierst du es so oft du kannst, mit einem konzentrierten Geist. Die Praxis vertieft sich mit der Regelmäßigkeit.
Warum du auf dieser Website keine Mantras findest
In unserer Tradition ist ein Mantra mehr als ein Text, den man rezitiert. Es trägt eine ununterbrochene Verbindung zu seinem Ursprung. Die mündliche Übertragung durch einen qualifizierten Lehrer verbindet dich mit dieser lebendigen Linie und ermächtigt dich, das Mantra zu praktizieren. Ohne diese Übertragung bleibt das Mantra ein Klang ohne Wurzel.
Die Yidam-Praxis: Die Tantrische Ermächtigung
Dies ist die vollständige äußere tantrische Praxis. Sie wird nicht leichtfertig übertragen und nicht öffentlich beschrieben. Sie ist der direkte Pfad zur Transformation des Geistes.
Was sie voraussetzt:
- Zufluchtnahme und die Fünf Tugendregeln. Das wurde bereits bei der Mantra-Praxis beschrieben. Hier sind sie nicht mehr Vorbedingung, sondern bereits gelebter Alltag.
- Die Vorbereitenden Übungen (Ngöndro). Dies ist ein strukturiertes Trainingsprogramm, das karmische Hindernisse beseitigt und den Geist auf die Yidam-Praxis vorbereitet. Es umfasst mehrere Bestandteile, die über einen längeren Zeitraum wiederholt praktiziert werden. Dieser Prozess erstreckt sich über Monate, manchmal auch länger. Jeder durchläuft ihn. Er ist nicht willkürlich schwer gemacht. Er stellt einfach sicher, dass deine Yidam-Praxis auf einem stabilen Fundament ruht.
- Die formelle Einweihung (Wang) durch Rinpoche. Dies ist keine Zeremonie, die automatisch nach Abschluss der Ngöndro folgt. Sie wird persönlich übertragen, wenn Rinpoche feststellt, dass der Schüler bereit ist. In der Einweihung ermächtigt der Lama den Schüler, die spezifische Yidam-Praxis zu beginnen.
Was du erhältst: Ein vollständiges tantrisches Ritual (Sadhana). Es ist ein strukturierter Text mit präzisen Visualisierungen, Mantra-Rezitationen und Kontemplationen. Dieses Sadhana wird dir persönlich übertragen und ist nicht öffentlich zugänglich. Von diesem Moment an praktizierst du es täglich.
Der erste Schritt
Die offene Praxis kannst du jederzeit beginnen, für dich allein. Wenn du darüber hinaus gehst oder Fragen hast, steht dir Gongjue Tuji Rinpoche für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, auch online.
Darüber hinaus gibt es regelmäßige Online-Formate, in denen sich Praktizierende und Interessierte austauschen. Weitere Angebote sind in Planung.
Das Xuanfa Dharmazentrum wird von Gongjue Tuji Rinpoche geleitet. Er ist Ansprechpartner für alle Fragen, die das Dharmazentrum, seine Praxis und seine Aktivitäten betreffen und hilft gerne weiter.
