Die acht grundlegenden rechten Ansichten sind keine theoretische Vorbereitung, die man schnell hinter sich bringt. Sie sind das unverzichtbare Fundament der Praxis. Ohne diese Basis kann selbst jahrzehntelange Dharma-Praxis wirkungslos bleiben.
Ein eindrückliches Beispiel aus der Lehrrede
In der Dharma-Lehrrede Was ist Kultivierung? berichtet S.H. Dorje Chang Buddha III von zwei Praktizierenden. Der eine war ein Rinpoche, der über dreißig Jahre praktiziert und mehr als tausend esoterische Einweihungen empfangen hatte. Der andere war ein Dharma-Meister, der zwanzig Jahre lang als Abt eines berühmten Tempels gedient hatte. Beide galten als gelehrt, beide konnten den Buddha-Dharma hervorragend darlegen. Doch beide besaßen keine echten Verwirklichungskräfte.
Als S.H. Dorje Chang Buddha III sie anwies, alle esoterischen Praktiken ruhen zu lassen und sich stattdessen acht Monate lang aufrichtig selbst zu kultivieren, wendete sich das Blatt. Erst danach zeigten sich tatsächliche Verwirklichungen.
Die innere Logik des Weges
Die acht Grundlagen sind keine Sammlung von Themen, die man parallel oder in beliebiger Auswahl behandeln könnte. S.H. Dorje Chang Buddha III beschreibt sie als aufeinanderfolgende Stufen, die einander tragen. Jede Stufe setzt die vorausgehende voraus.
Was später kommt, lässt sich nicht vorwegnehmen. Ein häufiger Irrtum besteht darin, sofort höchste Praktiken ausführen oder Bodhicitta kultivieren zu wollen, ohne die Basis gelegt zu haben. S.H. Dorje Chang Buddha III warnt davor ausdrücklich:
„Wenn ihr zum Beispiel zuerst Bodhicitta praktizieren wollt, werdet ihr nicht erfolgreich sein. Es wird zu einem leeren und illusorischen Bodhicitta führen, einem verblendeten und falschen Geisteszustand.“
Gleichzeitig bleibt jede dieser Stufen eine dauerhafte Basis, die den gesamten weiteren Pfad durchzieht.
Das Fundament der Zuflucht: Die drei Voraussetzungen
Echte Zuflucht baut auf diesen drei Grundlagen auf.
- Der Geist der Unbeständigkeit: Das Erkennen, dass alles vergeht: der Körper, die Beziehungen, die Sicherheiten. In der Lehrrede ist dies der Beginn jeder Kultivierung, weil nur aus diesem Bewusstsein der aufrichtige Wunsch nach Veränderung entstehen kann.
- Festes Vertrauen in das Leiden des Samsara: Die Einsicht, dass das gewöhnliche Dasein von Unruhe, Verlust und Enttäuschung durchzogen ist. Ohne dieses Vertrauen bleibt der Wunsch nach Befreiung abstrakt.
- Der Geist der Entsagung: Der Entschluss, aus dem Kreislauf der Wiedergeburten herauszutreten. Er entsteht nicht durch erzwingen, sondern ist die natürliche Folge der beiden ersten Grundlagen.
Der weitere Pfad: Fünf Stufen zur Verwirklichung
Auf diesen drei Voraussetzungen bauen fünf weitere Stufen auf:
- Wahrhaftige Gelübde: Die Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen und der echte Entschluss zur Praxis. Gestützt auf die ersten drei Stufen wird sie zur Ursache des tatsächlichen Handelns.
- Fleiß: Die beharrliche Praxis, die laut S.H. Dorje Chang Buddha III die Ursache für stetigen Fortschritt bildet.
- Gelübde einhalten: Das strikte Einhalten der Regeln. Nach den Worten der Lehrrede geben die Gelübde der Kultivierung ihre korrekte Richtung. Ohne sie verliert die Praxis ihr Fundament.
- Konzentration und Samadhi: Aus der Standhaftigkeit der richtigen Praxis entsteht die Konzentration. Sie bildet die Ursache für wahre Weisheit.
- Bodhicitta: Der Erleuchtungsgeist zum Wohl aller Wesen ist die achte und letzte der Grundlagen. Er ist das Ziel des Fundaments, nicht sein Anfang, und die Ursache dafür, ein Bodhisattva zu werden.
Zum Studium
Die vollständige Darstellung der acht Grundlagen, aller Erläuterungen und der Früchte, die jede einzelne Grundlage trägt, findet sich in der Dharma-Lehrrede Was ist Kultivierung?. Der deutsche Text steht auf unserer Website zur Verfügung.
Wer diese Grundlagen verstanden hat, steht vor der Aufgabe, sie in den Alltag zu integrieren. Einen klaren Leitfaden hierfür bietet die folgende Seite.
