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Wer sich täglich prüft, braucht einen klaren Maßstab, um nicht unbemerkt in Gewohnheiten oder Irrtümer abzugleiten. S.H. Dorje Chang Buddha III hat 128 böse und falsche Ansichten dargelegt, die genau als ein solcher Maßstab dienen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Höchsten und Unübertroffenen Mahamudra der Befreiung.

Die eigene Praxis und den Lehrer prüfen

Diese 128 Ansichten dienen als Spiegel für unsere Praxis. Doch die Anwendung geht weit über bloßes Betrachten hinaus. Es geht hierbei nicht nur ums Lesen und Verstehen, sondern um die ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Ansichten und dem eigenen Verhalten im Alltag. Die Lehrrede ist dabei ausdrücklich überschulisch und richtet sich an Praktizierende aller buddhistischen Traditionen: Hinayana, Mahayana, einschließlich der Schulen wie Zen oder Reines Land, sowie Vajrayana.

Darüber hinaus entfaltet die Lehrrede einen immensen Wert als Schutz für ernsthaft Suchende. Gerade im Vajrayana bildet die Beziehung zum Vajra-Meister das Fundament der gesamten Praxis. Doch wie lässt sich unterscheiden, ob man einem authentischen Meister folgt oder jemandem, der sich nur als solcher ausgibt? Die 128 Ansichten sind konsequent in zwei Richtungen anzuwenden: Sie helfen nicht nur bei der Selbstprüfung, sondern dienen ausdrücklich auch dazu, die Lehrer zu beurteilen, denen man folgt. Wer diese falschen Ansichten kennt, hat einen verlässlichen Maßstab, um zu erkennen, ob die Lehren und das Verhalten eines Meisters tatsächlich dem wahren Buddha-Dharma entsprechen.

Böse und falsche Ansichten

Die Dharma-Lehrrede unterscheidet zwei Kategorien von Ansichten, die ein breites Feld der buddhistischen Praxis abdecken.

38 böse Ansichten: Diese Haltungen wiegen schwer. Wer auch nur einer dieser Ansichten folgt und sich nicht umgehend korrigiert, kann keine Verwirklichungen erlangen und sät den Samen für den Abstieg in die drei niederen Bereiche. Einige Beispiele:

  • Das Leugnen von Ursache und Wirkung: Die Ansicht, es sei in Ordnung, schlechte Dinge zu tun, solange niemand davon erfährt, weil es angeblich keine karmische Vergeltung gäbe.
  • Fehlgeleitetes Loslassen: Die Ansicht, man müsse die Gefühle seiner Eltern ignorieren oder den Kontakt abbrechen, um sich von „Anhaftungen“ zu befreien. Wahre Kultivierung bedeutet, sich selbstlos um andere zu kümmern, und nicht, Hartherzigkeit als spirituellen Fortschritt misszuverstehen.

90 falsche Ansichten: Diese wiegen der Einordnung nach leichter. Doch S.H. Dorje Chang Buddha III warnt auch hier: Zwei oder drei schwerwiegendere falsche Ansichten zusammen können ähnliche Folgen haben wie eine einzige böse Ansicht. Einige Beispiele:

  • Verzicht auf medizinische Hilfe: Die Ansicht, dass man bei Krankheit keine Medizin einnehmen sollte, weil man sich allein auf die Segenskraft der Buddhas verlässt.
  • Flucht aus dem Alltag: Die Ansicht, man müsse seine Arbeit kündigen, um sich voll auf die Kultivierung konzentrieren zu können. Ein wahrer Kultivierender handelt in jeder alltäglichen Lebenslage nach dem Dharma.

Die vollständige Liste mit allen Kommentaren steht in der Lehrrede selbst.

Die aktive Praxis: Erkennen, Bereuen, Korrigieren

Der wichtigste Aspekt dieser Lehrrede ist die direkte Handlungsanweisung, die mit ihr verbunden ist. Es genügt nicht, den Text einmal zu lesen. Er ist zum wiederholten Abgleich gedacht.

Der wahre Mehrwert liegt im Prozess: Entdeckt man bei sich selbst oder bei einem Lehrer eine dieser Ansichten, gibt es nach den Worten von S.H. Dorje Chang Buddha III nur einen Weg: sofort zu bereuen und zu korrigieren. Wer erst später bereut oder bei der Ansicht bleibt, verliert den Schutz, den dieser Dharma bietet.

Im Xuanfa Dharmazentrum wird diese Lesepraxis im Rahmen der regelmäßigen Praxisgemeinschaft gepflegt. Gemeinsam nutzen wir diesen klaren Maßstab, um unsere Kultivierung ehrlich und aufrichtig zu überprüfen.

Zum Studium

Die Dharma-Lehrrede steht in deutscher Übersetzung auf unserer Website zum Studium zur Verfügung.

Wer durch all diese Aspekte der Selbstkultivierung ein aufrichtiges Fundament aufgebaut hat, steht vor der entscheidenden Frage: Wie wird aus dieser Grundlage eine echte, befreiende Verwirklichungskraft?

Weiterlesen: Von der Kultivierung zur Dharma-Praxis ➔

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