
Im November 2025 durfte ich eine ganz besondere Reise antreten. Gemeinsam mit 66 Dharma-Brüdern und -Schwestern machte ich mich auf den Weg nach Bhutan. Als einziger Deutscher in dieser Gruppe aus den USA, China, Taiwan und Sri Lanka fühlte ich mich sofort aufgehoben. Wir waren eine wunderbare Mischung aus Mönchen, Nonnen, Rinpoches und Laienbuddhisten. Alle hatten wir uns zunächst in Thailand getroffen, um von dort gemeinsam nach Paro weiterzureisen.
Unser Ziel war mehr als nur ein Besuch. Wir kamen, um die heiligen Stätten dieses Landes zu ehren und in die tief verwurzelte buddhistische Tradition Bhutans einzutauchen. Natürlich freuten wir uns auch darauf, Land und Leute kennenzulernen. Die gesamte Organisation hatten engagierte Mitglieder unserer Gruppe übernommen. Dank ihrer hervorragenden Planung und der tollen Guides vor Ort lief alles vollkommen reibungslos ab. Dass diese Reise in dieser besonderen Form überhaupt möglich wurde, verdanken wir zudem dem Ehrwürdigen Dr. Chandima aus Sri Lanka. Durch seine persönlichen Verbindungen zum Königreich Bhutan öffneten sich für uns Türen, die sonst vielleicht verschlossen geblieben wären. Besonders wertvoll war für uns zudem die Begleitung durch die Ehrwürdige Meisterin Shi Zheng Da.
Wir trugen dabei zwei Herzensanliegen im Gepäck. Zum einen war es uns wichtig, nicht mit leeren Händen zu kommen. Wir hatten in der Gruppe gesammelt, um das Krankenhaus in Thimphu und die dortigen werdenden Mütter ganz konkret zu unterstützen. Zum anderen war es unsere spirituelle Mission, den Buddha-Dharma zu repräsentieren, wie wir ihn von S.H. Dorje Chang Buddha III gelernt haben. Damit verbunden war der Wunsch, von dem Projekt „Holy Heavenly Lake Buddhist Town“ zu berichten, das künftig Raum für über 30 buddhistische Zentren unterschiedlichster Herkunft bieten soll.
Ankunft in Paro & der Weg nach Thimphu
Wir landeten am 9. November in Paro. Von dort fuhren wir mit dem Bus etwa 40 Kilometer durch das Tal nach Thimphu. Was mir direkt auffiel: Die komplette Strecke war mit fünffarbigen Bannern geschmückt. Unser Guide erzählte uns, dass dies der Willkommensgruß für die internationalen Gäste des „Global Peace Prayer Festivals“ war.
In Thimphu selbst war unglaublich viel los. Es kamen gleich mehrere Ereignisse zusammen, denn neben dem Festival und dem anstehenden Geburtstag des Königs wurde auch Indiens Premierminister Narendra Modi zu einem Staatsbesuch erwartet. Man muss dazu wissen, dass Thimphu die einzige Hauptstadt der Welt ohne Verkehrsampeln ist. Trotz der vielen Menschen und des daraus resultierenden Verkehrschaos blieben alle ruhig. Niemand drängelte und die Menschen waren geduldig und respektvoll. Diese entspannte Grundhaltung hat mich wirklich beeindruckt.
National Memorial Chorten: Das spirituelle Herz Thimphus
Nach dem Check-in in unserem ersten Hotel besuchten wir zuerst den National Memorial Chorten. Das ist eine große, weiße Stupa mitten in der Stadt, die 1974 für den dritten König gebaut wurde. Für die Einheimischen ist das ein wichtiger Ort im Alltag. Viele gehen dort hin, um die Stupa zu umrunden und die Gebetsmühlen zu drehen.
Wie an allen heiligen Orten ist das Fotografieren im Inneren nicht gestattet. Als einfache Richtlinie gilt: Sobald man die Schuhe auszieht, bleibt auch die Kamera aus. So konnten wir die eindrucksvolle Atmosphäre ganz ungestört auf uns wirken lassen. Der Innenraum beherbergt unter anderem überlebensgroße Darstellungen zorniger Gottheiten in Yab-Yum-Haltung und Wandgemälde von Guru Rinpoche (Padmasambhava), Shakyamuni Buddha und Ngawang Namgyal, dem Einiger Bhutans. In allen vier Himmelsrichtungen stehen farbenfrohe Skulpturen. Dazu kommen Mandalas, Schreine für den dritten König sowie Abbildungen von Vajrakilaya.





Impressionen (der Reihe nach): Der weiße Memorial Chorten, Pilger an den Gebetsmühlen, das Lichtermeer der Butterlampen, Gläubige bei den Niederwerfungen und unsere Gruppe vor der Stupa.
Unsere Gruppe hat die Chance genutzt auf dem Platz vor der Stupa unter der Anleitung der Ehrwürdigen Meisterin Shi Zheng Da zu chanten. Es war eine schöne Erfahrung, dies an diesem Ort machen zu dürfen.
Authentic Bhutanese Crafts Bazaar: Traditionelles Kunsthandwerk
Abends nutzte ich die Gelegenheit, über die Norzin Lam zu schlendern. Dort befindet sich der Authentic Bhutanese Crafts Bazaar, den man durch ein markantes rotes Tor betritt. Dahinter reihen sich viele kleine Hütten aneinander, in denen lokale Kunsthandwerker ihre Waren präsentieren. Es gab dort wirklich viel zu entdecken. Neben handgefertigten Textilien, Schmuck, Holzschnitzereien und Thangkas findet man dort auch schöne Souvenirs als Erinnerung an die Reise.
Global Peace Prayer Festival: Gemeinsame Gebete für den Frieden
Der 10. November stand ganz im Zeichen des Global Peace Prayer Festivals. Da das Stadion von unserem Hotel aus zu Fuß erreichbar war, machten wir uns auf den Weg. Schon auf der Straße war spürbar, wie viele Menschen zu diesem Ereignis strömten. Im Stadion angekommen, zeigten wir unseren Respekt durch Niederwerfungen vor den anwesenden Ehrwürdigen. Anschließend wurde uns ein Platz an der Seite zugewiesen, von wo aus wir an den Friedensgebeten teilnehmen konnten.
Dort verfolgten wir das Programm auf der Bühne des zentralen Gebäudes, wo sich verschiedene buddhistische Traditionen mit ihren Rezitationen abwechselten. Zwischen den einzelnen Gebetsabschnitten gab es immer wieder traditionelle Tänze und Gesänge zu sehen. Mich hat tief beeindruckt, wie viele Menschen dort friedlich zusammenkamen. Es war einfach ein schönes Gefühl, mitten unter ihnen dabei zu sein.
Buddha Dordenma: Die goldene Statue über dem Tal
Gegen Mittag fuhren wir weiter zur Buddha Dordenma Statue im Kuensel Phodrang Nature Park. Das ist eine beeindruckende, 51 Meter hohe Statue des sitzenden Shakyamuni Buddha. Sie ist aus Bronze und komplett vergoldet. Gebaut wurde sie übrigens, um den 60. Geburtstag des vierten Königs, Jigme Singye Wangchuck, zu feiern.
Im Gebäude unter der großen Statue befinden sich über 100.000 kleine Buddhas, die ebenfalls aus Bronze und Gold sind. Jede einzelne wurde gespendet. Zudem gibt es eine große Meditationshalle mit vielen weiteren wunderschönen Buddhastatuen. In diesen Räumen werden auch verschiedene Reliquien aufbewahrt, die wir uns während unseres Besuchs ansehen durften.





Impressionen der Buddha Dordenma Statue: Die gigantische sitzende Statue in der Seitenansicht, rituelle Aufbauten mit traditionellen Fadenkreuzen (Namkha/Mdos) auf dem Vorplatz, der Blick hinauf zum Gesicht des Buddha, das Relief eines blauen Elefanten am goldenen Sockel und die Aussicht über den Platz mit den goldenen Dakini-Statuen.
Was diesen Besuch besonders machte, war nicht nur die Statue selbst. Genau dort fand gerade der Abschluss des Jabshi Gyap Rituals statt. Das ist eine große, mehrtägige Zeremonie, die negatives Karma reinigen und Heilung bringen soll. Es waren Tausende Gläubige, Mönche und Rinpoches versammelt. Wir erfuhren, dass dieses Ritual speziell für den Weltfrieden durchgeführt wurde. Es war ein glücklicher Umstand, dass wir genau zu diesem Zeitpunkt dort sein konnten.
Ein Herzensanliegen: Unterstützung für werdende Mütter
Wir hatten im Vorfeld Geld gesammelt, um 500 werdende Mütter mit Geschenkpaketen zu unterstützen. Aus diesem Anlass versammelten wir uns zum Abschluss des Tages zu einer feierlichen Übergabe im Krankenhaus von Thimphu.
Neben unserer Reisegruppe nahmen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses, der Sekretär des Gesundheitsministers sowie einige Mütter an der Zeremonie teil. Dabei hatten wir die Gelegenheit, die ersten Pakete persönlich an die anwesenden Mütter zu überreichen.
Damit waren die ersten Tage in der Hauptstadt vorüber. Als Nächstes sollte uns die Reise raus aus der Stadt führen, zu alten Dzongs und in die Natur.
Davon berichte ich dann im zweiten Teil.
Alle Beiträge zu unserer Bhutan-Reise:
Pilgerreise nach Bhutan (Teil 1): Ankunft im Land des Donnerdrachens
Pilgerreise nach Bhutan (Teil 2): Über den Dochu La in das Tal der Kraniche
Pilgerreise nach Bhutan (Teil 3): Audienz beim Je Khenpo und der Weg zum Tigernest





